Bakterien als Kosmetikproduzenten

Auf welch mannigfaltige Weise sind Bakterien in der Lage, gesunde Haut schöner und geschädigte Haut gesünder zu machen.

Wenn Du das nächste Mal durch eine Kosmetikabteilung schlenderst, wirf mal einen näheren Blick auf die Tiegel und Töpfe – Du wirst immer wieder auf Inhaltsstoffe wie Hyaluronsäure, Acidum lacticum (Milchsäure) oder Ceramide stoßen. Die Kosmetikindustrie setzt diese Substanzen ein, da eine gesunde und strahlende Haut sie dringend benötigt. Auch wenn sich die Namen der einzelnen Wirkstoffe anhören wie „Giftgebräu“ aus dem Chemielabor, so sind sie alle natürlichen Ursprungs und werden auch auf und in unserer Haut gebildet. Mit den Jahren oder bei falscher Pflege werden diese kostbaren Ingredienzien jedoch Mangelware – es sei denn, Du verfügst über die richtigen „Kosmetikkeime“ auf der Haut und in Deinem Darm.

Probiotika scheinen tatsächlich die richtigen Stoffe zu sein, um Entzündungen und Reizungen zu lindern, die Feuchtigkeitsspeicherung und Barrierefunktion der Haut zu verbessern und die Haut zum Strahlen zu bringen. Sowohl lebende probiotische Keime als auch einzelne Bakterienbestandteile oder bakterielle Stoffwechselprodukte sind geeignet, unserer Haut Gutes zu tun. Um Karriere in der Kosmetikindustrie zu machen, mussten die Mikroben sowohl im Reagenzglas als auch auf Zellkulturen oder direkt auf menschlicher Haut beweisen, was sie draufhaben.

Hier hat sich gezeigt, dass Milchsäurestämme, allen voran die beiden Kumpels Lactobacillus rhamnosus und Lactobacillus gasseri hervorragende Hyaluronsäure-Produzenten sind. Auch Streptococcus thermophilus regt die Hyaluronsäurebildung an, nicht nur in der Haut, sondern – wenn der Keim als Probiotikum eingenommen wird – auch im Auge und in der Darmschleimhaut.

Selbst in Cremes macht der Streptococcus thermophilus einen guten Job. 17 Freiwillige testeten sieben Tage lang zweimal täglich eine Creme mit einem Lysat dieses Keims auf einem Unterarm. Der andere Unterarm wurde lediglich mit derselben Cremegrundlage, aber ohne Bakterienzusatz behandelt. Der Gehalt an Ceramiden stieg bei allen Probanden nur auf dem behandelten Arm ganz deutlich an, die Haut am anderen Arm blieb unverändert. Eine ausreichende Ceramidbildung erhält die Hautbarriere, schützt die Haut vor dem Austrocknen und ist wahrscheinlich auch bei Neurodermitis-Haut hilfreich, denn den Betroffenen mangelt es an diesem wichtigen Hautfett. Deshalb testete man die Streptococcus-Creme auch an dieser Personengruppe. Nach zwei Wochen waren Juckreiz, Rötung und Schuppung deutlich zurückgegangen. Andere Untersuchungen zeigen, dass aber auch Milchsäurebakterien und Bifidobakterien in der Lage sind, die Ceramidbildung anzukurbeln.

Milchsäure wird seit Jahrzehnten in Kosmetika verwendet, da es die feuchtigkeitsspeichernde Eigenschaft der Haut verbessert, sie zart und geschmeidig macht und auch unerwünschte Keime davon abhält, unsere Hautoberfläche zu besiedeln. Eine der wichtigsten Fähigkeiten der Milchsäure besteht darin, die Haut bei der Abstoßung abgestorbener Hornzellen zu unterstützen und dadurch die Zellregeneration zu fördern. Das Ergebnis ist nicht nur eine gesündere und jünger aussehende Haut – werden die abgestorbenen Hautzellen entfernt, die die Lichtbrechung behindern, kann die Haut auch wieder im Glow leuchten. Und diese tolle Säure wird natürlich von denjenigen Keimen gebildet, die den Wirkstoff schon im Namen tragen, also von nahezu allen Milchsäurebakterien.

Die Beispiele zeigen sehr gut, auf welch mannigfaltige Weise Bakterien in der Lage sind, gesunde Haut schöner und geschädigte Haut gesünder zu machen. In der Tabelle auf Seite 60 habe ich Ihnen noch einmal alle Keime zusammengestellt, die kosmetische Effekte auf die Haut haben.

Aus dem Bestseller Buch „Schön mit Darm“ von Prof. Dr. Michaela Axt-Gadermann