Schlau mit Darm - Besser schlafen mit den richtigen Keimen

Wer nachts gut schlafen möchte, sollte sich tagsüber um die Darmflora kümmern.

Wie macht sich Stress als Erstes bemerkbar? Richtig: mit Schlafstörungen. Bei vielen Menschen ist die Nachtruhe schon gestört, bevor sie überhaupt realisieren, dass sie sich gestresst fühlen und der Alltag sie überlastet. Da liegt es ja eigentlich nahe, mal zu erforschen, ob Keime, die zum Beispiel bei Stress oder Reizdarmsyndrom wirkungsvoll sind, nicht auch den Schlaf verbessern. 42 Reizdarmpatienten erhielten sechs Wochen lang entweder ein Keimgemisch mit verschiedenen Milchsäure- und Bifidobakterien oder ein Placebo. Außerdem mussten sie einen Fragebogen zu ihren Darmbeschwerden und ihrem aktuellen Befinden ausfüllen.

Zusätzlich wurde noch ihr Melatoninspiegel überprüft. Man wollte feststellen, wie viel des Schlafhormons in ihrem Blut kreiste und ob die Darmkeime auch Einfluss auf die Melatoninproduktion im Gehirn nehmen. Und siehe da: Nicht nur die Bauchschmerzen besserten sich in der Gruppe mit der Bakteriengabe, auch der Melatoninspiegel stieg unter dem Probiotikaeinfluss messbar an. Melatonin ist das Schlafhormon, das bei Dunkelheit ausgeschüttet wird und uns nicht nur zur richtigen Bettschwere verhilft, sondern auch das Immunsystem stärkt. Bei chronisch schlechtem Schlaf lassen sich oft auch Störungen in der Melatoninproduktion feststellen. Offensichtlich bildet nur eine gesunde Darmflora genügend Botenstoffe, damit wir gut schlummern können.

Auch ein anderer beruhigender Nervenstoff, der unter der Bezeichnung GABA (GammaAminobuttersäure) bekannt ist, benötigt bakterielle Unterstützung. Dieser Eiweißbaustein zählt zu den hemmenden Nervenbotenstoffen. GABA verlangsamt die Reizübertragung zwischen den Muskeln und auch der Kopf kann so zur Ruhe kommen, Stress wird abgebaut. Verschiedene Milchsäurestämme wie Lactobacillus rhamnosus, Lactobacillus paracasei, Lactococcus lactis, Lactobacillus plantarum oder Lactobacillus brevis sind besonders aktive GABA-Produzenten. Sowohl in unserem Darm als auch zum Beispiel im Käse, dem sie zugesetzt werden, produzieren die kleinen Keime diesen natürlichen Tranquilizer. Allerdings unterscheiden sich die GABA-Konzentrationen je nach Käsesorte. Niedrige Konzentrationen fanden italienische Wissenschaftler in Mozzarella, mittlere Konzentrationen in verschiedenen Parmesansorten. Die höchsten Werte wurden in Pecorino gemessen. Wer schlecht schläft, sollte sich vielleicht mal im Regal mit den Milchprodukten umsehen. Besonders gut läuft die GABA-Produktion, wenn wir abends auch noch Tomaten oder Sojasoße zu uns nehmen, denn diese liefern wichtige GABA-Bausteine. Etwas Ciabatta, ein guter Käse und Tomatensalat versprechen demnach einen schönen Abend und eine erholsame Nacht.

Aus dem Bestseller Buch „Schlau mit Darm“ von Prof. Dr. Michaela Axt-Gadermann