Darm Check up

Darm Check up

Hallo Darm, wie geht es dir?

Und nun? Jetzt willst Du wahrscheinlich wissen, wie man diese glücklich und clever machenden Keime im Darm heranzüchtet, die Darmbarriere zu einer sicheren Grenze ausbaut und erreicht, dass der Vagusnerv nur noch positive Botschaften an die grauen Zellen sendet. Dazu kannst Du an mehreren Schrauben drehen:

  • Die Darmflora optimieren
  • Die Darmbarriere stabilisieren
  • Schwelende Entzündungen eindämmen
  • Darmfloraschädigende Nahrungszusätze aus der Nahrung verbannen
  • Durch den Lebensstil die Mikrobenvielfalt weiter erhöhen

Doch eines vorweg: Es gibt nicht die eine einzige „gute“ Darmflora. Zwei Menschen können eine ganz unterschiedliche Komposition der Darmbakterien haben und dennoch beide völlig gesund und glücklich sein. Was man aber inzwischen weiß, ist, dass eine vielfältige und artenreiche Darmflora sich günstig auf unser Wohlbefinden auswirkt. Sie ist quasi ein Indiz für Gesundheit, seelische Ausgeglichenheit und einen aktiven Stoffwechsel. Ein Mitteleuropäer hat so zwischen 150 und 250 unterschiedliche Keime im Darm. Menschen, die sehr ursprünglich leben, zum Beispiel Buschmänner im Amazonasgebiet, weisen wie bereits gesagt mehr als doppelt so viele Keime auf. Ihre Ernährung enthält große Mengen Pflanzenfasern und unverdauliche Ballaststoffe. Wenn auch wir eine „gute“ und vielfältige Darmflora wollen, dann müssen auch wir uns abwechslungsreich ernähren und vor allem präbiotische Ballaststoffe zu uns nehmen.

Doch welche Faktoren noch berücksichtigt werden müssen, um ein vielfältiges Mikrobiom zu bekommen, war lange Zeit nicht bekannt. Eine aktuelle niederländische Studie bringt jetzt Licht ins Dunkel. Durch Stuhluntersuchungen und Analyse der Lebensgewohnheiten von 1.100 Menschen konnten mehr als 120 Faktoren ausfindig gemacht werden, die Einfluss auf die Komposition der Darmkeime nehmen. 60 davon waren Ernährungsfaktoren, 19 waren mit der Einnahme von Medikamenten verbunden, andere bezogen sich aufs Rauchen und auf Erkrankungen.

Daneben ist es auch wichtig, eine stabile Darmbarriere aufzubauen, die Schleimhaut des Darms zu stärken und Entzündungen einzudämmen. Messer und Gabel sind hier die besten Verbündeten, vor allem, wenn unsere Ernährung ausreichend Pro- und Präbiotika liefert.

Einfach mal auf der Toilette umdrehen

Wir können nicht in uns hineinschauen, dem Darm Hallo sagen und ihn nach seinem Befinden fragen. Aber wir können in uns hineinhorchen und hineinfühlen. Wenn es im Darm rumort, bleibt das nicht ungehört, auch ein Ziehen und ein Drücken merken wir. Kommen zu solchen subjektiv spürbaren Symptomen psychische Probleme oder neurologische Erkrankungen, sollten wir hellhörig werden. Natürlich kann es sich auch um ein zufälliges Zusammentreffen handeln, aber es ist auf jeden Fall die Mühe wert, genauer nachzuforschen, um möglicherweise den Ursachen anderer Probleme im Organismus auf die Spur zu kommen.

Deshalb solltest Du als Erstes Deinen Darm einem Check-up unterziehen. Gefahr erkannt – Gefahr gebannt. Am einfachsten ist es dann, zunächst einmal an diesen „Lebensstilschrauben“ zu drehen und zum Beispiel die Ernährung umzustellen oder die Darmflora gezielt aufzubauen. Solltest Du aber stärkere Beschwerden haben wie zum Beispiel ein Reizdarmsyndrom, Depressionen oder andere chronischen Beschwerden im Bereich des Darms oder des Nervensystems (oder vielleicht sogar beides), dann ist es sinnvoll, sich auch noch Hilfe vom Fachmann zu holen.

Der erste Schritt, um sich Informationen über den Darm zu verschaffen, ist aber ganz einfach: Dreh dich mal auf der Toilette um und schau, wie das Produkt Deiner Darmarbeit aussieht. Wissenschaftler beschäftigen sich ja mit den unterschiedlichsten und teilweise auch mit ziemlich abwegigen Dingen, unter anderem auch mit der Form unseres Stuhls. In der Bristol-Stuhl-Tabelle werden unsere Ausscheidungen nämlich anhand ihrer Konsistenz eingeteilt. Und es lohnt sich wirklich, mal genauer hinzuschauen: Aufgrund der Konsistenz lassen sich erste Rückschlüsse auf die Vielfalt der Darmkeime ziehen – auch ohne aufwendigen Stuhltest. Die belgische Mikrobiologin Doris Vandeputte hat nämlich nachweisen können, dass die Vielfalt bei sehr weichem und flüssigem Stuhl geringer ist. Aber auch harter und trockener Stuhl kann nicht mit einer abwechslungsreichen Bakterienflora punkten. Stuhl vom Typ 2 bis 4 enthält demnach normalerweise eine reiche Bakterienvielfalt, bei Typ 1 und Typ 5 ist die Diversität schon etwas reduziert und ab Typ 6 fällt die Keimzahl deutlich ab. Die Konsistenz unserer Ausscheidungen kann somit einen ersten Hinweis, aber sicherlich noch keine Diagnose liefern. Natürlich ist die Konsistenz des Stuhls nicht jeden Tag gleich, doch an den meisten Tagen der Woche recht ähnlich und dadurch geeignet, eine erste Einschätzung vorzunehmen.

Aus dem Bestseller Buch „Schlau mit Darm“ von Prof. Dr. Michaela Axt-Gadermann