Das Universum in uns

In unserem Darm beherbergen wir tausendmal mehr Keime, als unsere Galaxie Sterne besitzt.

Eine ganz besonders faszinierende Welt ist das Reich der Darmbakterien. Sie machen den Verdauungstrakt eines Menschen zu dem am dichtesten besiedelten Ökosystem der Erde. Auf der Darmoberfläche tummeln sich etwa 10 hoch 14 Bakterien. In Worten: hundert Billionen! Diese Zahl ist unvorstellbar groß, ausgeschrieben lautet sie 100.000.000.000.000. Das sind tausendmal mehr Bakterien, als unsere Galaxie Sterne hat. Wir bieten zehnmal mehr Keimen eine Heimat, als wir Körperzellen besitzen. 90 Prozent aller menschlichen Zellen sind demnach Bakterien. Leberzellen, Gehirnzellen, Haut-, Darm- und andere Körperzellen schlagen nur mit 10 Prozent zu Buche.

Man muss sich vor Augen führen, dass bereits in einem Gramm Stuhl mehr Keime enthalten sind, als Menschen auf der Erde leben und die Hälfte unseres Darminhalts aus diesen freundlichen Untermietern besteht, die – obwohl sie so winzig klein sind – in ihrer Gesamtheit immerhin fast 2 Kilogramm auf die Waage bringen.

Bis vor wenigen Jahren waren die meisten der Mitbewohner, die in unserem Gedärm hausen, unbekannt. Zahllose Keime haben unseren Darm bevölkert, ohne auf irgendeiner Liste aufzutauchen. Vor zehn Jahren wusste man wahrscheinlich mehr über den Mars zu berichten als über die Zusammensetzung unserer Darmflora. Der Grund: Früher musste man Stuhlproben auf Nährböden auftragen, um herauszufinden, wer sich da tummelt. Manche Keime wuchsen sehr rasch auf den Nährmedien, manche zögerlich und sehr viele gar nicht, denn nur 2 Prozent der Bakterien des Darmökosystems lassen sich im Labor kultivieren.

Die übrigen 98 Prozent sind „Anaerobier“, das heißt, sie benötigen eine sauerstofffreie oder sauerstoffarme Umgebung, um sich zu vermehren. Deshalb war der größte Teil der Mikroorganismen schon von einer Überdosis Sauerstoff abgetötet worden, wenn der Stuhl in den Petrischalen ausgestrichen wurde. Diese große Gruppe der Darmkeime flog also unter dem Radar der Labormediziner und Mikrobiologen durch und wurde deshalb nie wahrgenommen.

Aus dem Bestseller Buch „Schön mit Darm“ von Prof. Dr. Michaela Axt-Gadermann