Ein Indianer kennt keine Pickel

Pickel, Pusteln, Mitesser – fast jeder kann bei diesem Thema mitreden, denn zumindest in der Pubertät waren wir alle mehr oder weniger stark davon betroffen. Akne ist hierzulande eine der häufigsten Hautkrankheiten.

Pickel, Pusteln, Mitesser – fast jeder kann bei diesem Thema mitreden, denn zumindest in der Pubertät waren wir alle mehr oder weniger stark davon betroffen. Akne ist hierzulande eine der häufigsten Hautkrankheiten. Zwischen 80 und 95 Prozent der Jugendlichen leiden darunter. Doch selbst wenn wir schon lange dem Teenageralter entwachsen sind, vielleicht sogar schon die ersten Falten sichtbar werden, müssen sich viele von uns noch weiterhin über eine unreine Haut ärgern. Rund 12 Prozent der Frauen und 3 Prozent der Männer bleiben ihre Pickel auch über das 30. Lebensjahr hinaus erhalten.

Akne gehört bei uns zum Erwachsenwerden dazu wie Tanzstunde und Führerschein. Doch das ist nicht überall auf der Welt so: In Papua-Neuguinea lebt der Stamm der Kitavan. US-Wissenschaftler konnten bei 300 untersuchten Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 15 und 25 Jahren keinen einzigen Aknefall nachweisen. Ebenso benötigen die Jäger und Sammler der Ache in Paraguay keine Anti-Pickel-Maske, denn auch ihre Haut ist selbst im Jugendalter glatt wie ein Babypopo. Natürlich unterscheidet sich der Alltag dieser ursprünglich lebenden Stämme ganz grundlegend von unserem. Besonders deutlich wird das bei der Ernährung: Supermärkte und Burgerbratereien gibt es dort nicht, und die Menschen ernähren sich vor allem von Gemüse, Fisch, Früchten, Nüssen, Wurzeln und Kokosnüssen. Zucker und helles Mehl sind unbekannt, Fleisch steht nur selten auf dem Speiseplan. Pickel treten bei diesen Urvölkern erst auf, wenn sie beginnen, sich so zu ernähren wie wir. Und noch etwas unterscheidet uns von den Indianerstämmen in abgelegenen Regionen der Welt: die Zusammensetzung der Darmflora. Während wir „zivilisierten“ Menschen lediglich ungefähr 150 bis 200 verschiedene Bakterienstämme in unseren Därmen beherbergen, findet man bei den Ureinwohnern des Amazonasdschungels mehr als doppelt so viele gesunde Bakterienstämme.

Vorsicht, Süß und Fettig!

„Ernährung und Akne“ – dieses Thema sorgte jahrzehntelang für heftige Diskussionen. Obwohl sich in Studien die Zusammenhänge nur selten nachweisen ließen, behaupteten Betroffene immer wieder, dass fetthaltige Nahrungsmittel wie Chips, Schokolade und leckeres Fast Food Pickel sprießen lassen. In einer Untersuchung gaben 42 Prozent der befragten Schüler an, dass sich ihre Haut verschlechtere, wenn sie bestimmte Nahrungsmittel verzehrten. Schokolade und fette Speisen standen ganz oben auf dieser Liste. Auch Nahrungsmittel mit einem hohen glykämischen Index zählen zu den Verdächtigen, hat eine amerikanische Studie herausgefunden. Der glykämische Index gibt an, wie schnell der Zucker (die Kohlenhydrate) eines Lebensmittels ins Blut gelangt und wie rasch der Blutzuckerspiegel nach dem Verzehr ansteigt. Vor allem Weißbrot, Süßigkeiten, Kuchen und Kekse haben einen sehr hohen glykämischen Index. Diese Nahrungsmittel beeinflussen die Hormonumstellung in der Pubertät und regen die Talgdrüsen dazu an, mehr Hautfett zu bilden. Und ein hoher Blutzuckerspiegel verursacht auch Entzündungen.

Pickeliger durch Milch?

Macht Milch nicht nur die Knochen stark, sondern auch die Haut pickeliger? Gleich mehrere aktuelle Untersuchungen belegen, was viele Aknepatienten schon vermutet haben, nämlich, dass der Verzehr von Milch oder Milchprodukten mit dem Aufblühen von Pickeln in Verbindung stehen könnte. Um diese Zusammenhänge näher zu untersuchen, befragten Wissenschaftler der renommierten Harvard Universität in Boston mehr als 47.000 Krankenschwestern, die an der „National Nurse Health Study II“ teilnahmen, nach ihren Ernährungsgewohnheiten. Das Ergebnis: Teenager, die mehr als dreimal täglich fettarme Milch tranken, hatten ein 22 Prozent höheres Aknerisiko als Altersgenossen, die nur einmal täglich oder seltener Milch konsumierten.

Zum gleichen Ergebnis kam 2015 auch eine Befragung von mehr als 10.000 Teenagern. Studienteilnehmer, die mindestens zweimal täglich Milch tranken, litten signifikant häufiger unter Akne, als die, die nicht jede Woche eine Milchmahlzeit zu sich nahmen. Vor allem fettarme Milch ließ auch hier Pickel und Mitesser sprießen. Interessanterweise scheinen fermentierte Milchprodukte wie Joghurt oder Kefir für die Teenagerhaut weniger problematisch zu sein.

Ein bestimmter Botenstoff, der sich IGF-1 (Insulin-like Growth Factor 1) nennt, könnte das verbindende Element zwischen Milchkonsum und der Entstehung von Akne sein. IGF-1 wird im Körper gebildet und steuert das Zellwachstum. Mehrere Studien konnten jetzt belegen, dass Personen, die öfter ein Glas (fettarme) Milch trinken, nachweislich einen höheren IGF-1-Spiegel haben. Und das bekommt der jungen Haut nicht gut. Denn IGF-1 lässt den Spiegel der männlichen Hormone steigen und kann über spezielle Rezeptoren direkt die Produktion von Hautfett in den Talgdrüsen anregen. Beides kann zu einer Verschlechterung einer bestehenden Akne führen. Doch Studien konnten auch zeigen, dass bestimmte Probiotika, vor allem Milchsäurebakterien, in der Lage sind, die IGF-1 Spiegel wirkungsvoll zu senken. Bei Akne kann es deshalb sinnvoll sein, zweigleisig zu fahren: Milchverzehr einschränken und den Darm mit guten Milchsäurebakterien versorgen.

Aus dem Bestseller Buch „Schön mit Darm“ von Prof. Dr. Michaela Axt-Gadermann