Entzündungen machen die Hüfte Rund

Entzündungen machen die Hüfte Rund

Schon länger ist bekannt, dass bei Menschen mit Übergewicht die Entzündungsmarker im Blut leicht erhöht sein können. Gleichzeitig drehen aber auch Entzündungen die Gewichtsschraube nach oben. Ein Teufelskreis! Wenn Du jetzt aber anmerkst: „Ich spüre doch gar nichts!“, könntest Du recht haben. Wahrscheinlich denkst Du bei Entzündungen an Rötung, Brennen, Schmerzen und Schwellung, wie Du sie von Sportverletzungen, Insektenstichen, Sonnenbrand oder Rheuma kennen. Doch hier handelt es sich eher um eine schwelende, unterschwellige Entzündung. Mit dem bloßen Auge lassen sich diese Veränderungen nicht erkennen, Beschwerden verursachen sie ebenfalls nicht. Mit sensiblen Labormethoden kann man sie jedoch aufspüren. Auch unter dem Mikroskop kann man eine verstärkte Ansammlung von Entzündungszellen erkennen und im Blut sind Entzündungshormone nachweisbar.

Aktuelle Forschungsergebnisse aus Schweden konnten eine Verbindung zwischen Entzündungen, durchlässigem Darm und Übergewicht herstellen. Frauen, deren Marker für einen „löchrigen Darm“ erhöht waren, wiesen nicht nur mehr Fett um die Organe (viszerales Fettgewebe) auf. Sie hatten gleichzeitig auch mehr „Rettungsringe“, was sich in einem größeren Taillenumfang zeigte.

Warum das so ist? Da kann man nur Vermutungen anstellen. Chronische Entzündungen verlangen dem Körper oft viel ab. Deshalb legt der Organismus möglicherweise vorsorglich Fettdepots an, um seine Widerstandskraft zu erhöhen. Doch auch die Fettzellen tragen einen guten Teil dazu bei, dass die Entzündungen nicht zur Ruhe kommen. Zwar ist der Hauptjob der Fettzellen, Energie zu lagern, aber jede einzelne dieser Speicherzellen ist auch gleichzeitig eine Chemiefabrik. Je größer die Fettzellenfabrik ist, desto stärker fährt sie die Produktion hoch. Immerhin können sich Fettzellen bis auf das 200-Fache vergrößern, wenn wir bei Tisch ordentlich zulangen. Inzwischen kennt man mehr als 100 Substanzen, die sie produzieren können. Einige davon können im wahrsten Sinne des Wortes Öl ins Entzündungsfeuer gießen.

Doch aus dem Teufelskreis „löchriger Darm – Darmentzündung – Übergewicht – noch mehr Darmentzündung – noch löchrigerer Darm“ kann man ausbrechen. Durch eine Gewichtsabnahme werden die Fettzellen kleiner und fahren ihre Produktion zurück. Das lässt sich schon nach einigen Wochen Diät an einem Rückgang bestimmter Entzündungsmarker feststellen. Daneben können auch entzündungshemmende Nahrungsmittel wie Fisch und Pflanzenöle, die reich an Omega3-Fettsäuren sind, oder Gewürze wie Ingwer oder Kurkuma den aufgewühlten Darm wieder beruhigen und die Darmentzündungen „löschen“.

Das spricht für einen löchrigen Darm

Das Leaky-Gut-Syndrom wird oft mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen in Verbindung gebracht. Doch auch scheinbar Gesunde können eine geschwächte Darmbarriere aufweisen. Folgende Symptome weisen auf Darmstörungen hin:

  • Müdigkeit 
  • Störungen der Darmtätigkeit wie Durchfall oder Verstopfung 
  • Blähungen 
  • Sehr starker Appetit auf Süßes

Wenn Du unter diesen Beschwerden leiden, solltest Du dich um Deine Darmbakterien kümmern, um  einer Darmentzündung entgegen zu wirken.

Das stört den Darmfrieden

Wichtig für eine intakte Darmbarriere sind die Bakterien. Sie sorgen dafür, dass die Schleimschicht dicht ist und die Darmzellen gut ernährt werden. Je vielfältiger die Flora, desto gesünder der Darm. Fast alles, was das Gleichgewicht der Darmflora stört, schädigt auch die Darmbarriere und nährt eine Darmentzündung. Unser Lebensstil und Umweltfaktoren können sehr schnell dieses fragile System aus der Balance bringen.

Bedeutende Störenfriede sind Antibiotika. Hierzu zählen nicht nur die, die uns der Arzt verordnet, sondern vor allem auch solche, die in der Tiermast eingesetzt werden. Über Fleisch, Eier oder Milch gelangen die Medikamente dann in unseren Nahrungskreislauf und schwächen die Darmkeime. Daneben können auch Umweltschadstoffe und Stress den Darm löchrig machen und eine Darmentzündung hervorrufen.

Weltweit wird Trinkwasser gechlort, um Keime abzutöten. In Deutschland ist das glücklicherweise nur in Ausnahmefällen und vorübergehend erlaubt. Aber im Urlaub riecht man oft schon beim Zähneputzen das Chlor. Chlor macht im Darm das Gleiche, was es im Wasser tun soll: Es tötet Bakterien ab. Eine kleine Menge gechlortes Wasser zum Zähneputzen ist unproblematisch, zum Trinken sollte man aber chlorfreies Wasser verwenden.

Eine besondere Gefahr scheinen aber auch die „falschen“ Darmbakterien zu sein, die – wie mein Sohn sagen würde – auf der dunklen Seite der Macht stehen. Sie besitzen Geheimwaffen, die man Botenstoffe nennt. Diese sind in der Lage, die Tight Junctions, die Verbindungsbrücken zwischen den Darmzellen, niederzureißen und damit den Weg in den Körper für alle möglichen Stoffe frei zu machen. Die Darmschleimhaut wird dann ihrer Aufgabe als Barriere nicht mehr gerecht.

Problematisch für die Darmbarriere scheint eine zuckerreiche Ernährung zu sein. Offensichtlich zählt besonders Fruchtzucker (Fruktose) zu den Hauptverdächtigen. Fruchtzucker ist nicht nur in Obst und Säften enthalten, sondern die Industrie setzt ihren Erzeugnissen gerne Fruchtzucker zu, da der Verbraucher ihn für gesünder hält als den klassischen Kristallzucker. Wer also zu oft Süßigkeiten, Softdrinks, Fertiggerichte oder Fruchtsäfte zu sich nimmt, kann dadurch seine Darmbarriere durchlässiger machen und eine Darmentzündung verursachen.

Bakterienfutter - Ein Pflaster für den löchrigen Darm

Um die Löcher im Darm wieder zu flicken, müssen auch die Bakterien zufriedengestellt werden. Ähnlich wie ein Hausbesitzer, der regelmäßig Schäden repariert, damit das Haus bewohnbar bleibt, kümmern sich die Bakterien um ihr Heim, den Darm. Das „Baumaterial“, die kurzkettigen Fettsäuren, produzieren sie sogar selber. Diese wirken wie ein Pflaster, das den löchrigen Darm verschließt. Fettsäuren kennen sie schon, denn sie liefern – im Übermaß produziert – zusätzliche Kalorien. Doch eine gewisse Menge ist für die Darmgesundheit unerlässlich. Die Buttersäure (Butyrat) versorgt die Darmschleimhaut mit Energie und schützt vor Darmkrebs. Propionsäure ist für die Neubildung der Zellen unerlässlich. Essigsäure fördert die Durchblutung der Darmschleimhaut.

Das alles ist notwendig, um den Darm als Barriere zu erhalten und eine Darmentzündung zu vermeiden. Nur wenn diese intakt ist, bleiben Bakterien und Giftstoffe im Darm und wandern nicht in die Blutbahn. Gleichzeitig machen diese Säuren den Darminhalt sauer (das klingt logisch!). Neben dem Magen benötigt vor allem der Dickdarm, in dem sich die meisten Bakterien tummeln, eine saure Umgebung. Salmonellen und anderen unerwünschten Besuchern gefällt das gar nicht, weshalb sie sich dann nicht besonders lange in unserem Gedärm aufhalten wollen – und das ist natürlich gut für uns. Was den Bakterien besonders gut schmeckt und die Darmzellen zu regen Reparaturarbeiten anregt, erfährst Du in Kapitel 6 in dem Bestseller "Schlank mit Darm".

Aus dem Bestseller Buch „Schlank mit Darm“ von Prof. Dr. Michaela Axt-Gadermann