Nährstoffe: besser für volles Haar als Shampoo und Friseur

Kräftige, volle, glänzende Haare signalisieren Gesundheit, genauso wie kräftige, leicht glänzende Fingernägel. Das ist attraktiv!

Haarprobleme signalisieren deutlich, dass etwas im Körper nicht stimmt! Daher sollte man dünne oder brüchige Haare sowie vermehrten Haarausfall ernst nehmen und aktiv werden. Da Haare zum Großteil aus Proteinen bestehen sowie Vitamine und Mineralstoffe für ihr Wachstum brauchen, deuten Haarprobleme häufig auf Nährstoffmängel hin. Bei Mängeln werden im Körper vor allem die lebensnotwendigen Organe mit den Nährstoffen, die noch zur Verfügung stehen, versorgt. Haare sind zweitrangig, an ihnen wird gespart. Und das sieht man.

Fehlernährung kann ein Grund für den Mangel sein. Darmprobleme, wie das, Leaky Gut Syndrom’, können ebenfalls zu Nährstoffmängeln führen. Ein entzündeter und löchriger Darm nimmt weniger Nährstoffe auf als ein gesunder.

Haarausfall sowie brüchiges oder sprödes Haar tritt häufig im Zuge von Schilddrüsenunter- oder -überfunktion auf. Doch auch diese Autoimmunerkrankungen entstehen nicht ohne Grund. Ihnen liegen häufig chronische Entzündungsreaktionen sowie Nährstoffmängel zugrunde.

Der Haarwuchs wird bei Frauen wie bei Männern unter anderem durch Hormone reguliert. Frauen mit Östrogendominanz neigen zu Haarausfall. 80 Prozent der Männer und 40 Prozent der Frauen leiden unter einer erblich bedingten Form des Haarausfalls, der androgenetischen Alopezie. Die Haarfollikel reagieren überempfindlich auf DHT (Dihydrotestosteron), einem Abbauprodukt des Geschlechtshormons Testosteron. Männer haben natürlicherweise höhere Testosteronwerte, doch auch Frauen verfügen über Testosteron und DHT.

Haarverlust tritt zudem bei chronischen Erkrankungen, bei Vergiftungen und durch die Einnahme bestimmter Medikamente auf.

Was Haare sind

Haare bestehen wie Finger- und Fußnägel aus Horn, also abgestorbenen Zellen, die weder mit Blutgefäßen versorgt werden noch mit Nervenzellen verbunden sind. Wissenschaftlich heißen Haare, Hautanhangsgebilde’ – Wissenschaftssprache eben.

In der Kopfhaut sitzen die Haarwurzeln. Hier werden die Haarzellen produziert. Zunächst sind es noch lebende Zellen, die jedoch schnell absterben. Die Haarzellen bestehen zum Großteil aus Proteinen, vor allem aus einem bestimmten Proteinkomplex, er heißt Keratin. Die Haarzellen werden aus der Haarwurzel nach oben gedrückt und verbinden sich zu so genannten Spindeln. Mehrere Spindeln verdrehen sich miteinander und bilden ein Haar. Die äußere Schuppenschicht eines Haars besteht aus sechs bis zehn flachen, übereinander greifenden Zellen. Unter dem Mikroskop betrachtet erinnert ein Haar an einen Tannenzapfen. Liegt die Schuppenschicht flach an ergibt sich eine glatte Oberfläche. Sie reflektiert das Licht und ist für den gesunden Glanz des Haares verantwortlich.

Menschliche Haare wachsen ca. 0,35 Millimeter am Tag, zwischen zwei und sechs Jahre lang. Nach dieser Zeit kommt es zum Wachstumsstillstand, der zwei bis vier Monate dauert. Dann wird das Haar abgestoßen. Danach wächst in der gleichen Haarwurzel ein neues Haar nach. Somit ist mäßiger Haarausfall normal. Zwischen 50 und 100 Haare verlieren Gesunde pro Tag. Der Verlust fällt nicht auf, denn der Mensch trägt 100.000 bis 150.000 Haare am Kopf. Blonde haben die meisten Haare, sie sind jedoch dünner als die von Braun- und Schwarzhaarigen, die im Durchschnitt nur 100.000 Haare haben. Rothaarige haben die wenigsten, aber die dicksten Haare.

Was Haare brauchen

Haare benötigen Proteine, denn sie bestehen zu 98 Prozent aus ihnen. Vor allem sind sie aus wasserunlöslichen Faserproteinen aufgebaut, den Keratinen. Die elastischen Alpha-Keratine enthalten 10 – 17 Prozent der nicht-essentiellen Aminosäure L-Casein. Je mehr L-Cystein im Haar enthalten ist, umso stabiler und geschmeidig ist es.

Doch reicht eine gute Versorgung mit L-Cystein nicht aus. Denn die Herstellung der Keratine ist unter anderem von Vitamin B6 abhängig. Liegt das Vitamin in der aktiven Form vor, wird mehr L-Cystein in die Keratine eingebaut.

In den Haaren sind zudem Spurenelemente wie Eisen, Kupfer, Zink und Silicium enthalten. Insbesondere Eisenmangel ist als Grund für vermehrten Haarausfall bekannt. Denn in den Haarfollikeln, die sich am unteren Ende der Haarwurzel befinden, ist Eisen für die Herstellung der Haare gespeichert. Bei einem Eisenmangel wird Eisen aus den Haarfollikeln abgezogen und an andere Stellen transportiert, die für das Überleben des Organismus wichtiger sind.

Bei Eisenmangel fehlt der wichtige Mineralstoff nicht nur für die Synthese der Haare, die Zellen der Haarwurzeln leiden auch an Sauerstoffmangel. Sauerstoff wird in den roten Blutkörperchen von der Lunge zu allen Zellen im Körper transportiert. In den roten Blutkörperchen befindet sich Hämoglobin, ein Komplex aus Proteinen, der ein Eisen-Ion enthält. An dieses Ion bindet der Sauerstoff. Bei Eisenmangel gelangt weniger Sauerstoff zu den Körperzellen. Diese brauchen den Sauerstoff jedoch zur Herstellung von Energie. Fehlt Sauerstoff, fehlt Energie. Und bei Energie-Engpässen drosselt die Zelle ihre Stoffwechselabläufe. In den Haarfollikel werden weniger Haarzellen gebildet. Die Qualität der Haare lässt nach.1

In einer Studie in Südkorea wurden die Eisenwerte im Blut von 210 Frauen mit Haarausfall mit denen von 210 gesunden Frauen verglichen. Es zeigte sich ein signifikanter Unterschied. Die Frauen mit Haarproblemen hatten durchschnittlich 49,27 ± 55.8 µg/L Ferritin (Eisenspeicher-Protein) Blut. Die gesunden Frauen deutlich mehr, und zwar 77.89 ± 48.32 µg/L.2

Haare brauchen auch Zink. Der Mineralstoff aktiviert Enzyme, die für die Keratin-Synthese benötigt werden. Zink ist zudem an vielen weiteren Stoffwechselabläufen beteiligt. Fehlt Zink, erkrankt die Zelle. Fehlt Zink in den Haarfollikeln, bilden sie sich zurück oder sterben ab. Doch die Haarfollikel erholen sich, wenn sie wieder ausreichend mit Zink versorgt werden.

In einer weiteren Studie in Südkorea untersuchten Wissenschaftler die Zinkkonzentration von Patienten mit Haarausfall und verglichen sie mit den Blutwerten von Gesunden. Jene, die an Haarausfall litten, zeigten signifikant weniger Zink im Blut (84.33±22.88 µg/dl) als die Gesunden (97.94±21.05 µg/dl).3

Kupfer ist ebenfalls wichtig für die Haargesundheit. Denn Kupfer ist essentiell für die Festigkeit der Keratine. Fehlt Kupfer, werden weniger verstärkende Elemente in die Keratine eingebaut. Die verstärkenden Elemente vernetzten die Aminosäure Cystein untereinander, sie heißen Disulfidbrücken. Bei einer Reduktion der Disulfidbrücken wird das Haar spröde, brüchig und kann früh ergrauen. Doch Kupfer führt nicht nur zu festen Haaren, es stimuliert auch die Synthese von Keratinen. Der Haarwuchs nimmt insgesamt zu.4

Neben Kupfer verstärkt Silicium die Bildung von Disulfidbrücken. In einer Studie in den USA wurde 24 Frauen mit dünnen Haaren über neun Monate 10 mg Silicium pro Tag verabreicht. 24 Frauen mit ebenfalls dünnen Haaren erhielten ein Placebo. Der Haardurchmesser der Frauen, die Silicium einnahmen, vergrößerte sich. Das Haar wuchs dicker aus der Haarwurzel heraus und war elastischer sowie kräftiger. Der Effekt stellte sich bei der Placebo-Gruppe nicht ein.5

Neben der Aminosäure L-Cystein und Mineralstoffen übernehmen die Vitamine Biotin (Vitamin B7 oder Vitamin H genannt) sowie Pantothensäure (Vitamin B5) wichtige Funktionen im Haarwuchs.

Biotin ist ein Cofaktor in der Proteinsynthese. Das bedeutet, dass Proteine, wie die Keratine nur gebildet werden können, wenn ausreichend Biotin vorhanden ist. In einer Studie wurde gezeigt, dass die Einnahme von 5 mg Biotin pro Tag die Haardichte erhöht. Der Effekt zeigte sich nach einem Einnahmezeitraum von 1,5 bis 7 Monaten.6 Biotin ist zusätzlich im Fettstoffwechsel aktiv. Ein Biotin-Mangel kann sich daher in Form von schnell fettenden Haaren zeigen.

Pantothensäure beugt frühem Ergrauen vor und kann dabei helfen, dass Haare ihre natürliche Farbe zurückerlangen. Zusätzlich unterstützt das Vitamin das gesunde Haarwachstum. Es übernimmt bei der Zellteilung, bei der neue Haarzellen entstehen, eine wichtige Funktion. Zudem wirkt Pantothensäure entzündungshemmend, das schützt die Kopfhaut. Des Weiteren wirkt sie positiv auf die Aktivität der Talgdrüsen und trägt somit zur gesunden Versorgung des Haars mit Fetten und mit Feuchtigkeit bei.7

Was Haare nicht mögen

Stress und Schlafmangel schaden den Haaren. Schlafmangel führt zu Stress und unter Stress steigt der Nährstoffverbrauch rapide. An den Haaren wird dann mit der Nährstoffversorgung gespart. Schlafmangel führt zudem zu hormoneller Dysbalance. Da das Haarwachstum von Hormonen gesteuert wird, zeigen sich hormonelle Probleme schnell in Form von Haarausfall.

Müdigkeit macht hungrig! Insbesondere steigt das Verlangen nach Kohlenhydraten, was sich ebenfalls negativ auf die Haargesundheit auswirkt. Denn Haare mögen keinen Zucker oder andere verarbeitete Kohlenhydrate wie Brot oder Nudeln. Der Konsum von Kohlenhydraten erhöht die Aktivität der Talgdrüsen über ein gesundes Maß hinaus. Daraufhin werden mehr Fette produziert, in denen sich bestimmte Mikroorgansimen stark vermehren. Das führt zu Entzündungsreaktionen, nicht nur der Haarfollikel auf der Kopfhaut, sondern auch die Haarwurzeln im Gesicht, an Oberarmen, Oberschenkeln oder Gesäß können betroffen sein. Es bilden sich viele winzige Pickelchen. In der Medizin spricht man von Verhornungsströrung oder Reibeisenhaut oder ganz wissenschaftlich von Keratosis pilaris.

Zucker und andere Kohlenhydrate bringen nicht nur die Talgdrüsen aus dem Gleichgewicht, auch der Insulinspiegel schwankt stark - im Blut und in den meisten Körperzellen. Insulin reduziert jedoch in den Haarfollikeln das Wachstum neuer Haarzellen.

Was Haare mögen

Neben Proteinen, Mineralstoffen und Vitaminen brauchen gesunde Haare Fette. Denn Fette werden für die Herstellung von Hormonen benötigt, die das Haarwachstum regulieren. Zusätzlich lagern sich Fette in gesundem Maß an die Haare an und schützen sie vor dem Austrocknen, sie glänzen dann gesund. Bei einem Mangel an Nahrungsfetten kann es zur Schuppenbildung auf der Kopfhaut kommen. Auch Spliss zeigt, dass zu wenige gesunde Fette verzehrt werden. Gesunde Fette sind vor allem in Lachs, Bio-Butter, Olivenöl, Nüssen und Samen enthalten.

Perlhirse ist ein natürliches Nahrungsmittel, welches besonders die Haargesundheit fördert. Sie enthält viele der wichtigen Stoffe fürs Haar: Fettsäuren, Proteine, die B-Vitamine 1,2 und 6, Pantothensäure, Eisen, Kalium, Magnesium, Phosphor, Schwefel und vor allem Silicium.

Auch Leinsamen unterstützt den Haarwuchs, denn sie enthalten besonders viele Lignane. Das sind sekundäre Pflanzenstoffe mit hormonähnlicher Wirkung. Unter anderem binden sie an die Östrogenrezeptoren und wirken einer Östrogendominanz und dem damit verbundenen Haarausfall entgegen. Lignane reduzieren zudem die Aktivität eines Enzyms, welches Testosteron in DHT umbaut. Dadurch sinkt der DHT-Spiegel, weniger Haarfollikel sterben ab. Das ist besonders für Männer wie Frauen wichtig, die unter androgenetischer Alopezie leiden. Leinsamen können den Haarausfall erheblich reduzieren. Insgesamt helfen Lignane Hormone in natürliche Balance zu bringen, mit positiver Wirkung auf die Haargesundheit.

Haare mögen nicht nur Fette, Hirse und Leinsamen sondern auch Wasser. Jede Körperzelle ist mit Wasser gefüllt. Im Wasser laufen die Stoffwechselabläufe ab, die zur Bildung von neuen Haarzellen führen. Wasser ist essentiell für eine gesunde Zelle und nur wenn die Zellen des Haarfollikels gesund sind, können sie gesunde Haarzellen herstellen.

Warum volles Haar attraktiv ist

Kräftige, volle, glänzende Haare signalisieren Gesundheit, genauso wie kräftige, leicht glänzende Fingernägel. Das ist attraktiv! Der Grund hierfür liegt tief in der Geschichte der Evolution des Menschen verborgen. Um gesunden Nachwuchs zu zeugen, ist der Mann auf die Frau angewiesen. Denn er liefert nur Sperma. Ob sich der Fötus im Mutterleib gesund entwickelt hängt erheblich von der Nährstoffversorgung der Frau ab. Die Haare verraten ob wichtige Stoffe fehlen. Kein Wunder, dass langes, volles, glänzendes Haar, besonders bei Frauen, als attraktiv gilt. Es sind die Instinkte, die heute noch wirken.

Quellen & zum Weiterlesen

[1] Goluch-Koniuszy ZS. Nutrition of women with hair loss problem during the period of menopause. Prz Menopauzalny. 2016; 15(1): 56–61.

[2] Park SY, Na SY, Kim JH, Cho S, Lee JH. Iron plays a certain role in patterned hair loss. J Korean Med Sci. 2013;28(6):934-8.

[3] Kil MS, Kim CW, Kim SS. Analysis of serum zinc and copper concentrations in hair loss. Ann Dermatol. 2013;25(4):405-9.

[4] Siehe Literaturangabe 1

[5] Wickett RR, Kossmann E, Barel A, Demeester N, Clarys P, Vanden Berghe D, Calomme M. Effect of oral intake of choline-stabilized orthosilicic acid on hair tensile strength and morphology in women with fine hair. Arch Dermatol Res. 2007;299(10):499-505.

[6] Haneke E, Baran R. Micronutrients for Hair and Nails. In: Krutmann J, Humbert P (Hsg.) Nutrition for Healthy Skin – Strategies for Clinical and Cosmetic Practice. Berlin: Springer-Verlag. 2011; 149-163.

[7] Siehe Literaturangabe 1