Schlafmangel macht hungrig

Schlafmangel macht hungrig - Schlafmang

Sind wir im Stress, leidet oft die Nachtruhe. Sehr fatal, denn Schlafmangel vergrößert die Gewichtsprobleme noch weiter. Auf den ersten Blick erscheint das unverständlich, denn wenn wir zwei Stunden länger schlafen, verbrauchen wir in dieser Zeit weitaus weniger Kalorien, als wenn wir aktiv sind. Untersuchungen aus der Schlafforschung zeigen allerdings ganz deutlich, dass ständiger Schlafmangel nicht nur das Risiko für Diabetes erhöht, sondern auch Übergewicht begünstigt. Das hat mit dem ungleichen Hormonpaar Leptin und Ghrelin zu tun. Leptin wirkt wie ein Appetitzügler und unterdrückt das Hungergefühl, Ghrelin macht hingegen mehr Appetit.

Wenn wir eine Nacht durchfeiern, produziert unser Körper am nächsten Tag weniger Leptin, gleichzeitig steigt bei Müdigkeit die Bildung von Ghrelin an. Zusammen verstärkt diese Hormonsituation das Hungergefühl und macht ordentlich Appetit. Doch wie viele Kalorien nehmen wir mehr auf, wenn wir müde sind? Dazu hat ein US-Forscherteam ein Experiment gestartet, das im März 2012 auf einem amerikanischen Kardiologenkongress in San Diego vorgestellt wurde. Zunächst durften alle Teilnehmer der Untersuchung drei Tage so lange schlafen, wie sie wollten. In den nächsten acht Nächten konnte sich die eine Hälfte weiterhin ausschlafen, die anderen Teilnehmer mussten nach 5,2 Stunden die Nachtruhe beenden.

Das Ergebnis: Nach der kurzen Nacht aßen die Teilnehmer rund 550 Kalorien mehr als nach den Nächten mit ausreichendem Schlaf. 550 Kalorien, das entspricht einem Hamburger mit einer kleinen Portion Pommes frites oder einer Portion Leberkäse mit Brötchen oder zwei Stück Kuchen. Da die müden Menschen zwar länger wach waren, sich aber offensichtlich auch weniger bewegten, verbrauchten sie nicht mehr Kalorien. Die 550 Extrakalorien konnten also in Ruhe ihren Weg zu den Hüften finden. Nach zwei Wochen Schlafmangel zeigt die Waage dann mindestens ein Kilo mehr Gewicht an.

Vor diesem Hintergrund sind auch andere Studienergebnisse verständlich: So ergab die Auswertung der Schlafdaten von 18.000 Personen, dass eine tägliche Schlafdauer von weniger als vier Stunden das Risiko für Übergewicht um mehr als 70 Prozent erhöht, verglichen mit einer ausreichenden Schlafdauer, die etwa sieben Stunden täglich betragen sollte. Selbst bei sechs Stunden Nachtschlaf war das Risiko immer noch um 23 Prozent höher.

Und auch aus einem anderen Grund ist Schlafen ein toller Helfer bei einer Diät. Wenn wir weniger essen und mehr schlafen, werden bei einer kalorienreduzierten Ernährung mehr Fett und weniger Muskeln abgebaut. Bei einer kanadischen Diät-Studie nahmen die Teilnehmer in zwei Wochen jeweils drei Kilo ab. Der Unterschied zeigte sich jedoch erst bei der Bestimmung des Körperfettanteils. Bei denjenigen, die Nacht für Nacht 8,5 Stunden ruhten, bestand der Gewichtsverlust zu mehr als der Hälfte (55 Prozent) aus Fett, bei 5,5 Stunden Schlaf nur ein Viertel. Bei einer Diät auch für ausreichend Ruhe und Schlaf zu sorgen ist deshalb ein ganz wichtiger Rat, den sie befolgen sollten.

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