Die feinen Unterschiede: Whey Protein

Die feinen Unterschiede: Whey Protein

Whey Protein, zu Deutsch Molke Protein, ist nicht gleich Whey Protein. Zwar gilt das Protein generell als hochwertig, doch es herrschen große qualitative Unterschiede. Beginnend mit der Haltung der Kühe, von denen die Milch zur Herstellung der Molke stammt, über das Herstellungsverfahren bis zu den Inhaltsstoffen.

Qualitativ hochwertiges Whey Protein wirkt gesundheitsfördernd, es unterstützt die schnelle Regeneration nach dem Sport und erleichtert die Gewichtsreduktion.

Molke – ein altes Schönheits- und Heilmittel

Molke entsteht bei der Käseherstellung. Griechen und Römer verwendeten sie bereits als Schönheits- und Heilmittel. Hierzulande gab es im 18. und 19. Jahrhundert Molke-Kurorte. Insbesondere bei Magen-, Darm-, Leber- und Nierenerkrankungen, wie bei Gallenbeschwerden, Hautproblemen und Übergewicht wurde auf Frischmolke vertraut. Doch warum Molke heilt, wusste damals keiner. Ebenso wenig waren ihre Inhaltsstoffe bekannt. Der Naturforscher Tissot soll im 18. Jahrhundert trotzdem gesagt haben: „Ich behaupte, dass Molke eines der größten Heilmittel ist.“1

Damals wie heute ist die Behandlung mit Molke nicht einfach, da sie schon ca. zwei Stunden nach ihrer Gewinnung zu verderben beginnt. Des Weiteren enthält frische Molke Kohlenhydrate und Laktose. Kohlenhydrate, die in einer strikten Low Carb Ernährung unerwünscht sind und Laktose, die nicht jeder verträgt.

Heute können die heilenden Wirkstoffe der Molke extrahiert werden. In pulverisierter Form sind sie zudem lange haltbar. Doch Molke Protein, im Englischen Whey Protein, ist nicht gleich Whey Protein.

Qualitäts-Merkmal 1: Weidehaltung

Molke entsteht natürlicherweise während der Käseherstellung. Daher hängt die Qualität der Molke von der Qualität der Milch ab. Milch von Kühen, die artgerecht gehalten werden, enthält bessere Inhaltsstoffe, als die von Kühen aus konventioneller Haltung. Das zeigt sich anschließend in der Qualität der Molke. Hochwertiges Whey Protein stammt von Kühen, die im Sommer frisches Weidegras fressen und im Winter Heu, die sich ausgiebig bewegen können, dem Wetter ausgesetzt sind und weder Kunstfutter noch Antibiotika erhalten.

Qualitäts-Merkmal 2: Extraktion des Proteins

Whey Protein wird auf vier verschiedene Arten hergestellt. Sie unterscheiden sich im Proteingehalt, dem Vorkommen weiterer Inhaltsstoffe und der Qualität der extrahierten Proteine.

Die kostengünstigste Herstellung ist das Whey Protein Konzentrat. Hierbei wird der Molke so lange Wasser entzogen, bis ein Pulver übrigbleibt. Dabei bleiben weitere Inhaltsstoffe der Molke, wie Kohlenhydrate, Laktose und Fette im Pulver enthalten. Der Proteingehalt liegt lediglich bei ca. 80 Prozent.

Das Konzentrat wird teilweise zu Whey Protein Hydrolysat weiterverarbeitet. Dabei zerlegen zugesetzte Säuren, Basen oder Enzymen es in seine Aminosäuren. Dieser Vorgang heißt Hydrolyse. Der Prozess findet normalerweise während der Verdauung statt. Daher wird Whey Protein Hydrolysat manchmal als „vorverdautes“ Protein bezeichnet. Der Körper soll es dadurch schneller aufnehmen können. Zusätzlich steigert die weitere Verarbeitung des Konzentrats den Proteingehalt. Er liegt häufig bei ca. 95 Prozent. Bei dem Verfahren gehen jedoch bioaktive Stoffe verloren, somit vermindert sich die positive Wirkung für das Immunsystem.

Neben dem Whey Protein Konzentrat und Hydrolysat gibt es eine weitere Form: Whey Protein Isolat. Es existieren zwei verschiedene Herstellungsmethoden.

Im Ionenaustauschverfahren wird eine Substanz eingesetzt, an die nur Protein-Moleküle binden können. Alle anderen Inhaltsstoffe, wie Laktose, Kohlenhydrate, Fette binden nicht an die Substanz und werden weggespült. Damit die Proteine besser an die Substanz binden wird zunächst der pH-Wert verändert. Dieser Vorgang zerstört jedoch einige Proteine. Zusätzlich gehen wertvolle bioaktive Stoffe verloren.

Die schonendere Herstellung von Whey Protein Isolat erfolgt durch Mikrofiltration. Mit Hilfe extrem feiner Keramikfilter und hohem Druck werden Kohlenhydrate, Laktose und Fette von den restlichen Bestandteilen getrennt. Da weder hohe Temperaturen noch Säuren oder Basen zugesetzt werden, bleiben die Proteine intakt. Zusätzlich enthält das Filtrat viele bioaktiven Proteinbestandteile wie Alpha-Lactalbumin, Beta-Lactalbumin oder Glycomakropeptide und Mineralstoffe wie Calcium, Kalium und Phosphor, die gesundheitsfördernde Wirkungen besitzen. Whey Protein Isolat hat einen hohen Anteil an BCAAs, an verzweigtkettigen Aminosäuren, die besonders gut zur Regeneration nach dem Sport beitragen.

Qualitäts-Merkmal 3: schonende Trocknung

Whey Protein Isolat erhält seine Haltbarkeit durch Sprühtrocknung. Dabei wird das Isolat unter Vakuum bei etwa 85 Grad Celsius getrocknet. Der schonende Prozess garantiert, dass die meisten Vitamine und bioaktiven Proteinbestandteile aus der Molke unbeschädigt bleiben.

Qualitäts-Merkmal 4: biologische Wertigkeit

Der menschliche Organismus nimmt Proteine aus verschiedenen Nahrungsmitteln wie Hülsenfrüchten, Fleisch, Fisch, Eiern oder Milchprodukten unterschiedlich auf. Die Effizienz der Proteinaufnahme wird als „biologische Wertigkeit“ bezeichnet. Als die ersten Forschungen hierzu stattfanden, galt das Hühnerei als die Proteinquelle, die der menschliche Körper am besten verwerten kann. Daher wurde dem Vollei die Wertigkeit 100 zugewiesen. Die Wertigkeit aller anderen Proteine wird seitdem in Relation zum Vollei ermittelt. Die Aminosäuren des Whey Proteins werden besser aufgenommen als die des Hühnereis. Daher hat Whey Protein eine biologische Wertigkeit von 104.

Qualitäts-Merkmal 5: Zusätze

Insbesondere für Personen mit Darmentzündungen eignet sich Whey Protein ohne Süß- und Farbstoffe. Whey Protein Isolat hat natürlicherweise einen angenehmen, dezenten Geschmack, doch können beliebig Früchte unterschiedlicher Geschmacksrichtungen hinzugefügt werden. Da Whey Protein Isolat laktosefrei ist, kann es bei Laktoseintoleranz konsumiert werden.

Whey Protein in der Medizin heute

Whey Protein beschleunigt das Abnehmen. In den USA wurde eine Studie mit 158 krankhaft übergewichtigen Probanden durchgeführt. Alle Versuchsteilnehmer wurden auf eine 500 Kalorien-Diät gesetzt. Die Hälfte der Probanden nahm zusätzlich Whey Protein zu sich, die andere ein Placebo-Getränk. Jene krankhaft übergewichtigen Probanden, die Whey Protein zu

sich nahmen, verloren in 12 Wochen 6,1 Prozent ihres Körperfetts. Das war signifikant mehr, als die Körperfettreduktion in der Kontrollgruppe. Zusätzlich blieb die Muskelmasse weitestgehend erhalten, was in der Kontrollgruppe nicht der Fall war. Whey Protein eignet sich daher hervorragend zum Abnehmen und dazu, dauerhaft ein gesundes Gewicht zu halten.2

Übergewicht gilt mittlerweile als unabhängiger Risikofaktor für Krebs. Wer abnimmt und Normalgewicht hält, reduziert somit sein Krebsrisiko. Whey Protein hilft nicht nur dabei, das Normalgewicht zu halten, sondern stärkt den Körper gegen den Krebs, denn durch den regelmäßigen Verzehr von Whey Protein steigt der Glutathion-Spiegel. Glutathion ist eines der stärksten Anti-Oxidantien, die der Körper selbst herstellt. Glutathion neutralisiert jedoch nicht nur die freien Radikalen, die Zellen schädigen und Krebs entstehen lassen können, es wirkt insgesamt positiv auf das Immunsystem. Ein starkes Immunsystem verringert wiederum das Krebsrisiko.

Liegt eine Krebserkrankung bereits vor, unterstützt Glutathion die Heilung. Denn bei einer ausreichenden Versorgung mit Glutathion, leiten Krebszellen von allein den programmierten Zelltot ein. Der Vorgang heißt Apoptose. Die Krebszellen sterben, der Tumor schrumpft.3 Whey Protein wirkt in der Behandlung von Krebs daher unterstützend.

In einer australischen Studie wurden 70 übergewichtige Männer und Frauen in eine Versuchsgruppe und Kontrollgruppen aufgeteilt. Die Versuchsgruppe erhielt täglich Whey Protein. Obwohl die Probanden ihr Essverhalten beibehielten, zeigten sich nach 12 Wochen in der Versuchsgruppe positive Veränderungen: Es wurden weniger Fette der Arten Triglyceride und Cholesterin im Blut gemessen, zusätzlich nahmen Insulinresistenz sowie der Nüchternwert für Insulin ab.4

In einer weiteren Studie stellten Wissenschaftler fest, dass sich die Immun-Antwort von Kindern mit Asthma deutlich verbesserte, wenn sie zweimal täglich Whey Protein einnahmen. Bei den Kindern sankt der IgE-Wert signifikant, der normalerweise herangezogen wird, um die Anfälligkeit für Allergien zu beurteilen. Das Experiment wurde nur einen Monat lang durchgeführt. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich der Nutzen erhöht, wenn die Anwendung länger oder ein Leben lang erfolgt.5

In einer amerikanischen Studie an jungen Männern und Frauen mit erhöhtem Blutdruck wurde festgestellt, dass Whey Protein den systolischen Blutdruck um 8,0 mmHg, den diastolischen Blutdruck um 8,6 mmHg und den durchschnittlichen Druck in den Arterien um 6,4 mmHg senkt. Die Probanden hatten hierfür lediglich sechs Wochen lang 28 g Whey Protein täglich zu sich genommen. Zusätzlich sank die LDL-Cholesterin-Konzentration. Zum Vergleich wurden junge Erwachsene ohne Bluthochdruck untersucht. Auch sie verzehrten sechs Wochen lang täglich Whey Protein. Ihr Blutdruck veränderte sich nicht.6

Insbesondere ältere Menschen profitieren von Whey Protein. Das zeigte sich in einer weiteren Studie. Denn im Alter nimmt häufig die Muskelmasse ab. Wenn Betroffene sich jedoch proteinreich ernähren, bilden sich neue Muskelzellen. Da Whey Protein besonders gut aufgenommen wird und alle Aminosäuren enthält, die der menschliche Organismus benötigt, eignet es sich hervorragend, dem Prozess entgegenzuwirken.7

Whey Protein für Sportler

Durch Sport, insbesondere bei großen Trainingsumfängen, steigt der Proteinbedarf. Mit Whey Protein kann der erhöhte Bedarf effizient gedeckt werden. Whey Protein sollte nach jeder Trainingseinheit konsumiert werden, da es reich an BCAAs ist. Die Muskulatur benötigt diese verzweigtkettigen Aminosäuren für den Aufbau neuer Muskelzellen. Mangelt es nach dem Training an diesen Aminosäuren, wird Muskelmasse abgebaut. Sind hingegen genügend Aminosäuren verfügbar, wirkt das Training als Signal zum Aufbau der Muskulatur.

Quellen & zum Weiterlesen

[1] Wahrenberg A. Ein altes Heilmittel: Molke. Schrot und Korn. 1998(5). Unter: https://schrotundkorn.de/ernaehrung/lesen/sk9805e1.html. Letzter Zugriff am 21.03.2019.

[2] Frestedt JL, Zenk JL, Kuskowski MA, Ward LS, Bastian ED. A whey-protein supplement increases fat loss and spares lean muscle in obese subjects: a randomized human clinical study. Nutr Metab (Lond). 2008;5:8.

[3] Bounous G. Whey protein concentrate (WPC) and glutathione modulation in cancer treatment. Anticancer Res. 2000;20(6C):4785-92.

[4] Pal S, Ellis V, Dhaliwal S. Effects of whey protein isolate on body composition, lipids, insulin and glucose in overweight and obese individuals. Br J Nutr. 2010;104(5):716-23.

[5] Lothian JB, Grey V, Lands LC. Effect of whey protein to modulate immune response in children with atopic asthma. Int J Food Sci Nutr. 2006;57(3-4):204-11.

[6] Shultz TD et al. Whey beverages decrease blood pressure in prehypertensive and hypertensive young men and women. International Dairy Journal. 2010;20(11):753-60

[7] Hayes A, Cribb PJ. Effect of whey protein isolate on strength, body composition and muscle hypertrophy during resistance training. Curr Opin Clin Nutr Metab Care. 2008;11(1):40-4.