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Darmgesundheit und Schwangerschaft

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Bereits erste Studien haben gezeigt, dass die Darmgesundheit einer werdende Mutter einen Einfluss auf das spätere Immunsystem des Kindes haben kann.

Deine Darmgesundheit beeinflusst nicht nur Deine Verdauung, sondern eine Vielzahl an Prozessen in Deinem Körper. Da ist es nicht verwunderlich, dass die Darmgesundheit auch während einer Schwangerschaft eine Rolle spielt. Die Darmgesundheit hat Auswirkungen auf die Geburt eines gesunden Babys und auf die Gesundheit der Mutter. Im Laufe der neun Monate der Schwangerschaft kommt es zu Veränderungen des Darms, insbesondere der Darmflora der Mutter.

Was ist die Darmflora?

Unser Darm beherbergt Billionen von Mikroorganismen, insbesondere Darmbakterien. Diese Gemeinschaft, die auch als Darmflora bezeichnet wird, spielt eine zentrale Rolle bei Deiner Verdauung, der Immunfunktion und ganz allgemein bei der Erhaltung Deines Wohlbefindens. Die auch als Darmmikrobiota bekannte Darmflora ist besonders reichlich im Dickdarm vorhanden. Dort helfen Dir Deine Darmbewohner, Lebensmittel zu verdauen, Nährstoffe aufzunehmen und Krankheitserreger abzuwehren. Manche Darmbakterien stellen Vitamine her und andere kurzkettige Fettsäuren, die viele positive Wirkungen entfalten.

Die Darmflora jedes einzelnen von uns ist so einzigartig wie sein Fingerabdruck. Es hat sich gezeigt, dass sich die Zusammensetzung der Darmflora im Laufe unseres Lebens verändert, vom Säuglingsalter über die Kindheit und das Erwachsenenalter bis ins hohe Alter. Sie hängt sowohl von intrinsischen Faktoren, wie dem Alter, als auch von äußeren Faktoren, wie der Ernährung, ab. Äußere Faktoren können das Gleichgewicht der Darmflora erheblich verändern und bei der Entstehung verschiedener Krankheiten eine Rolle spielen. Aus diesem Grund ist es wichtig, negative Veränderungen der Darmflora (auch “Dysbiosen” genannt) zu identifizieren. Denn dies ermöglicht es, auf äußere Faktoren einzuwirken, um solch eine Dysbiose zu korrigieren.

Veränderungen der Darmflora passieren ständig, etwa weil wir eine neue Ernährungsform ausprobieren, Antibiotika einnehmen müssen oder besonderen Lebenssituationen ausgesetzt sind. Die Darmgesundheit ist in hohem Maße auch von Gewichtsveränderungen sowie immunologischen und hormonellen Veränderungen betroffen. Daher ist es nicht überraschend, dass es während der Schwangerschaft deutliche Veränderungen in der Darmflora gibt.

Der Darm während der Schwangerschaft

Die Schwangerschaft ist eine Zeit, die durch tiefgreifende hormonelle, immunologische und metabolische Veränderungen im Körper einer Frau gekennzeichnet ist. Einige sind notwendig, um das Kind in der Gebärmutter zu beherbergen; andere sind notwendig, um das Wachstum des Kindes zu ermöglichen. Die Veränderungen, die während der Schwangerschaft stattfinden, beeinflussen die Darmflora.

Die Darmflora im ersten Trimester

Im ersten Trimester ist die Darmflora ähnlich wie bei nicht schwangeren Frauen. Doch sie beginnt sich langsam zu verändern. Gleichzeitig nimmt die Darmbewegung aufgrund der dramatischen hormonellen Veränderungen ab. Manche Frauen leiden daraufhin vermehrt an Verstopfungen, weil der Darm in der Schwangerschaft langsamer wird.

Du fragst Dich, warum der Körper die Verdauung langsamer werden lässt? Die Theorie dahinter ist, dass die verlangsamte Bewegung dazu führt, dass das Essen länger im Darm bleibt und der Körper sowie die Darmbakterien in der Lage sind, noch mehr Energie und Nährstoffe aus der Nahrung zu gewinnen. Denn in der Schwangerschaft benötigt die werdende Mutter mehr Energie.

Die Darmflora im zweiten und dritten Trimester

Wenn die Schwangerschaft in das zweite Trimester fortschreitet, verändert sich die Darmflora noch mehr und sieht anders aus als vorher. Die Vielfalt der Darmbakterien (die sogenannte Diversität) sowie die Menge des Faecalibacterium, ein Bakterium mit entzündungshemmenden Aktivitäten, nehmen ab. Die Menge der Proteobakterien und Actinobakterien nimmt dagegen zu. Zu ihnen gehören gesundheitsfreundliche Bakterien, die eine wichtige Rolle bei der Abwehr von Krankheitserregern spielen und die Nährstoffaufnahme verbessern.
Die größte Veränderung in der Darmflora tritt im Verhältnis bestimmter Schlüsselbakterien auf. Die Zahl der Firmicutes steigt stark an und das Verhältnis von Firmicutes zu Bacteroidetes verändert sich. Solche höheren Werte der Firmicutes und eine geringere Diversität wurden übrigens auch bei Fettleibigkeit beobachtet. Die werdende Mutter entwickelt für die Zeit der Schwangerschaft quasi eine “dickmachende Darmflora”.

Infografik: Alpha Diversity

Dysbiosen während der Schwangerschaft können ein Risiko sein

Eine Dysbiose der mütterlichen Darmflora (also eine negativ veränderte Darmmikrobiota) könnte eine übermäßige Gewichtszunahme während der Schwangerschaft fördern und ist mit einem höheren Risiko für Schwangerschaftsdiabetes verbunden. Darüber hinaus könnte im Falle einer mütterlichen Dysbiose das Kind Bakterienarten erben, die mit unerwünschten gesundheitlichen Folgen wie Diabetes, Allergien oder der Entwicklung von Fettleibigkeit verbunden sind. Erste Studien zeigen sogar, dass die Darmgesundheit der Mutter einen Einfluss auf das spätere Immunsystem und die neuronale Entwicklung des Kindes haben kann.

Bei schwangeren Frauen kann zudem die Durchlässigkeit des Darms stark zunehmen. Die Durchlässigkeit könnte zu groß werden, was man als “Leaky Gut” oder löchrigen Darm bezeichnet. Dieser Zustand erlaubt Bakterien und -Bestandteilen in höheren Mengen durch den Darm in den Körper zu gelangen, was Entzündungen fördert. Wenn die Entzündungsreaktionen stark zunehmen, kann das ernsthafte Konsequenzen für die Entwicklung des Ungeborenen haben. Denn wenn die Entzündungswerte einer Schwangeren zu stark steigen, kann das einen negativen Einfluss auf die Plazenta haben. Das wiederum kann die Entwicklung des Babys stören und zu ernsthaften Erkrankungen führen.
Darmbakterien, die im Fruchtwasser von Frauen gefunden wurden, bei denen ein vorzeitiger Membranriss auftrat, deuten darauf hin, dass die Darmflora bei Infektionen der Gebärmutter eine Rolle spielen könnte.

Und nicht nur während der Schwangerschaft kann die Darmgesundheit die Gesundheit des Babys beeinflussen. Auch bei der Geburt spielt die Darmflora eine entscheidende Rolle. Denn wenn das Kind auf natürlichem Wege geboren wird, dann kommen die Haut und die Schleimhäute des Neugeborenen mit dem Mikrobiom der Mutter in Kontakt - ihrem Mikrobiom der Haut, ihrer Vaginalflora und ihrer Darmflora. Diese “mütterliche Mikrobiota”, wie sie genannt wird, besiedelt das Neugeborene. Dadurch entsteht die frühkindliche Mikrobiota, die einen bleibenden Eindruck auf die kindliche Entwicklung hinterlässt und das Gleichgewicht zwischen Gesundheit und Krankheit steuern kann.

Die Darmgesundheit während der Schwangerschaft fördern

Frauen, die schwanger werden wollen, sollten sich bereits vor der Schwangerschaft um ihre Darmgesundheit kümmern. Denn das, was die Mutter vor der Schwangerschaft isst, hat enorme Auswirkungen auf ihre Darmflora, die für eine gesunde Schwangerschaft so wichtig ist.

Es ist wichtig, dass man während der Schwangerschaft nur dann Antibiotika gibt, wenn sie absolut notwendig sind. Denn wir wissen, dass schon wenige Tage Antibiotika signifikante Veränderungen der Darmflora verursachen können, die sich möglicherweise auf die Gesundheit auswirken können. Zudem ist es wichtig, dass die Mutter während der Schwangerschaft nicht nur für sich und ihr Baby isst, sondern auch ihren Darmbakterien genug Futter bietet.

Dafür sollte die schwangere Frau eine Vielfalt an Obst, Gemüse, Nüssen, Samen und Vollkorn zu sich nehmen. Eine Vielfalt an pflanzlichen Lebensmitteln bietet alle Vorteile der Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe und Polyphenole, um die Vielfalt der Darmbakterien (Diversität) zu fördern. Die Identifizierung von Nahrungsmittelunverträglichkeiten und der weitestgehende Verzicht auf diese Lebensmittel reduzieren systemische Entzündungen und verbessern die Darmgesundheit. Die Erhöhung des Anteils an Ballaststoffen und fermentierten Lebensmitteln, z.B. Joghurt, Sauerkraut und Kefir, kann eine gesunde Darmflora fördern, wodurch möglicherweise das Risiko bestimmter Schwangerschaftskomplikationen verbessert werden könnte. Darüber hinaus können Ballaststoffe und eine ausreichend Wasseraufnahme Verstopfungen, die in der Schwangerschaft häufig auftreten, verbessern.

In einer klinischen Studie wurde festgestellt, dass die Nahrungsergänzung mit bestimmten Probiotika (Lactobacillus rhamnosus GG und Lactobacillus acidophilus) in Kombination mit einer Ernährungsberatung die Blutzuckerwerte bei gesunden schwangeren Frauen verbessert. In weiteren Studien wurde beobachtet, dass die tägliche Einnahme von Milch-basierten Probiotika sowohl den Blutdruck in der Schwangerschaft als auch die Inzidenz von Präeklampsie bei schwangeren Frauen senken kann. Probiotische Nahrungsmittel und Nahrungsergänzungsmittel könnten daher für Frauen mit einem höheren Risiko für Gestationsdiabetes und Präeklampsie in Betracht gezogen werden.

Ernährungsgewohnheiten sind veränderbare Faktoren, die sich auf Deine Darmgesundheit und letztlich auf die langfristige Gesundheit von Mutter und Säugling auswirken können. Das Ausmaß, in die Darmflora zur Gesundheit der schwangeren Frau und ihres Fötus beiträgt, beginnen wir erst jetzt zu verstehen. Es ist ein spannendes Feld, in dem wir noch viele Studien erwarten können.

Quellen & zum Weiterlesen

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