Dein Hormonhaushalt steht nie still, er verändert sich im Laufe des Lebens ständig. Besonders deutlich merkst Du das in den Wechseljahren, wenn Dein Körper weniger Geschlechtshormone bildet. Bisher prägte das Östradiol den weiblichen Zyklus, nun zieht sich das aktivste und wirksamste Östrogen langsam zurück. Doch was passiert genau, wenn Dein Körper weniger Östradiol bildet? Wir erklären Dir alles rund um das Östradiol in den Wechseljahren und geben Dir Tipps für die Umstellungszeit.
Hättest Du es gewusst?
Beschwerden der frühen Perimenopause entstehen nicht durch einen generellen Hormonmangel, sondern durch die starken Schwankungen in der Hormonproduktion der Eierstöcke. Ein Progesteronmangel bei der Frau kann sich aber auch in jungen Jahren einschleichen.
Was ist Östradiol?
Östradiol ist das aktivste Östrogen in Deinem Körper während der fruchtbaren Jahre. Es wird hauptsächlich in den Eierstöcken gebildet und beeinflusst zahlreiche Prozesse: den Menstruationszyklus, die Reifung der Eizellen, die Fruchtbarkeit, aber auch die Knochendichte, den Stoffwechsel, die Hautstruktur und die Stimmung. Kurz gesagt: Östradiol wirkt auf viele Bereiche, die für Dein Wohlbefinden wichtig sind. Mit Beginn der Wechseljahre sinkt die Produktion von Östradiol allmählich. Das ist normal und gehört zum natürlichen Übergang. Die Abnahme kann sich auf Körper und Psyche auswirken – zum Beispiel auf Schlaf, Energielevel, Hautbeschaffenheit oder Stimmungslage.
Infografik: Wirkung von Östradiol bei der Frau
So unterscheidet sich Östradiol von anderen Östrogenformen
Östradiol ist nicht der einzige „Player“, wenn es um Deine Hormonlage geht. Neben Östradiol gibt es noch zwei weitere erwähnenswerte Östrogene:
- Östron: Dieses Östrogen ist weniger wirksam als Östradiol und wird vor allem nach den Wechseljahren im Fettgewebe gebildet. Östron kann Östradiol teilweise ersetzen, ist aber nicht so stark aktiv, weshalb die typische „Östradiolwirkung“ in vielen Bereichen abnimmt.
- Östriol: Es ist das schwächste der drei Östrogene und spielt vor allem während der Schwangerschaft eine Rolle. In den Wechseljahren trägt Östriol nur geringfügig zur Hormonwirkung bei.
Die Östrogenformen unterscheiden sich also von der Wirkstärke und der Produktionsstätte sowie der Funktion im Körper. Östradiol ist das wichtigste Hormon für alle Bereiche, die durch die Eierstöcke gesteuert werden, während Östron und Östriol nur teilweise oder in spezifischen Situationen aktiv sind.
Wie verändert sich der Gehalt an Östradiol in den Wechseljahren?
Östradiol begleitet Dich schon von der Pubertät an. Wenn Du älter wirst, verliert das Hormon langsam an Bedeutung.
- Pubertät: Dein Östradiolspiegel steigt an und sorgt so dafür, dass sich Deine Brüste und Hüften entwickeln – Du startest damit in die Menstruation.
- Fruchtbare Jahre: Jetzt schwankt Dein Östradiolwert regelmäßig im Zyklus. Vor dem Eisprung steigt er an und fällt danach wieder ab. So läuft Dein Zyklus rund. Östradiol beeinflusst „wellenförmig“ Dein Energielevel, Deine Stimmung und sogar Deinen Stoffwechsel.
- Frühe Wechseljahre (Perimenopause): Nun schwankt der Östradiolspiegel stärker. Das kann dazu führen, dass Dein Zyklus unregelmäßig wird: Die Periode kann sich verschieben und Du spürst erste typische Beschwerden wie Hitzewallungen.
- Postmenopause: Die Menge an Östradiol in Deinem Körper sinkt dauerhaft. Die Eierstöcke produzieren das Hormon nur noch geringfügig, andere Östrogene wie Östron können die Wirkung nur teilweise ersetzen. Viele Veränderungen, die Du jetzt spürst, hängen direkt mit diesem Rückgang zusammen. Keine Sorge: Deine Hormone und Wechseljahre hegen ein enges Verhältnis und richten sich stets neu aus.
Östradiol & Wechseljahre: Muss ich etwas gegen die Umstellung tun?
Der Rückgang von Östradiol in den Wechseljahren ist ein natürlicher Prozess – kein Hormonmangel, den Du automatisch „ausgleichen“ musst. Deine Eierstöcke produzieren weniger Östradiol und die Regelkreise im Gehirn reagieren darauf. Typische Beschwerden in dieser Phase sind Hitzewallungen, nächtliches Schwitzen, Stimmungsschwankungen, Schlafprobleme oder mal mehr und mal weniger Energie. Sie entstehen durch die stark schwankenden Hormonspiegel und sind ein Zeichen dafür, dass sich Dein Körper anpasst – das gelingt ihm oft ohne Hilfe. Du kannst die Umstellung unterstützen, indem Du auf regelmäßige Routinen, ausreichend Schlaf, Bewegung und Erholungspausen achtest. Dein Ziel sollte nicht sein, die Umstellung zu stoppen, sondern sie zu verstehen und Deinen Körper auf diesem Weg zu begleiten.
Mehr Verständnis für Deine Hormone in den Wechseljahren
Wenn Du merkst, dass sich Dein Körper in den Wechseljahren verändert, hilft Dir ein Basiswissen rund um Deine Hormone: Wie sind die einzelnen Hormone bei Dir aufgestellt und wie ist Ihr Verhältnis zueinander?
Folgende Hormone sollten Dein Interesse wecken:
- Progesteron: Reguliert die zweite Zyklushälfte, wirkt beruhigend auf Dein Nervensystem und ist wichtig für den Zyklus.
- Östradiol: Das aktivste Östrogen, das viele Körperfunktionen beeinflusst – von Stimmung und Schlaf bis zu Haut, Knochen und Stoffwechsel.
- Testosteron: Unterstützt Energie, Muskelkraft und Libido – das Hormon beeinflusst auch bei Frauen das Wohlbefinden. Ein Testosteronmangel kann mit einem Libidoverlust bei Frau und Mann in Verbindung stehen.
- DHEA (Dehydroepiandrosteron): Ein Vorläuferhormon, das Östradiol und Testosteron mitproduziert und mit Vitalität sowie Stressresilienz in Zusammenhang steht.
Kurz zusammengefasst
In den Wechseljahren stehen beim Östradiol alle Zeichen auf Veränderung: Das aktivste Östrogen sinkt allmählich. Das führt zu Schwankungen, die sich auf Zyklus, Stimmung, Schlaf, Stoffwechsel, Haut und Energie auswirken können. Um besser zu verstehen, was hinter den Symptomen steckt, kann ein Hormontest für Frauen hilfreich sein.
Quellen & zum Weiterlesen
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