Mikrobiom Darm – Über Mikroorganismen, Dein Mikrobiom & Veränderung

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Dein Mikrobiom & Darm als Wohlfühlfaktor. Erfahre in diesem Beitrag welche Rolle ein gesundes Mikrobiom in Deinem Körper spielt.

Mikrobiom, Darm, Veränderung – In diesem Artikel verraten wir Dir, wieso Mikroorganismen für eine gesunde Darmflora so wichtig sind, was das Mikrobiom ist und wie sich Deine mikrobielle Vielfalt im Laufe des Lebens verändert.

Mikrobiom Darm: Der Mikrokosmos in uns

Mikroorganismen sind überall: In uns, auf uns und in unserer Umgebung. Sie machen 70 Prozent der Biomasse der Erde aus, leben auf unserer Haut, auf den Schleimhäuten und im Darm. Lebenslang tauschen wir Keime mit unserer Umwelt aus. Wissenschaftler stellten kürzlich fest, dass jeder von uns von einer Wolke aus Keimen umgeben ist und wir jede Stunde rund eine Million Mikroben an die Umwelt abgeben. Diese Mikrobenaura hafte an uns wie Kaugummi – und darüber können wir uns freuen. Wir nehmen sie mit, wohin wir auch gehen. Ziehen wir in eine neue Wohnung, haben sich schon nach wenige Stunden auch unsere Keime häuslich eingerichtet und lassen sich auf Stühlen, Tischen und Türklinken nieder. Wissenschaftler können anhand unserer bakteriellen Hinterlassenschaften in der Luft und im Staub sehr genau feststellen, wer wann in einem Raum war und ob Frauen oder Männer in der Wohnung leben.

Mikrobiom Darm – Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zum Mikrobiom und der Mikrobiom Analyse

Mikrobiom und Darm – Wie passt das zusammen? Auch in Deinem Darm existiert eine eigene Welt, ein Mikrokosmos, der vor rund fünfzehn Jahren so unbekannt war, wie ein fernes Sonnensystem. Doch heute weiß man: Der Verdauungstrakt ist der Lebensraum von unvorstellbar vielen Mikroorganismen. Experten schätzen die Zahl der Darmbakterien auf rund 100 Billionen Keime. Das sind hundertmal mehr Bakterien, als unsere Galaxie Sterne besitzt und zehnmal mehr Keime als Dein Körper Zellen beherbergt. In nur einem Gramm Stuhl sind mehr Keime enthalten, als Menschen auf der Erde leben. Man kann die Bedeutung der Darmbakterien gar nicht groß genug einschätzen, obwohl das Adjektiv „groß“ nicht auf den einzelnen Keim zutrifft. Ein Bakterium misst nämlich nur einem Mikrometer, das entspricht einem millionstel Meter und wiegt lediglich ein Femtogramm, also ein Millionstel eines Milliardstel Gramms.

Doch diese Winzlinge haben eine Mission, nämlich Deine Gesundheit zu stärken und Dein Wohlbefinden zu steigern. Mikrobiom und Darm gehören zusammen. Lange Zeit hat man das Mikrobiom, also die Gesamtheit der Bakterien, völlig unterschätzt und ihnen nicht mehr zugetraut, als unverdauliche Speisereste zu zerlegen. Doch normalerweise ist in unserem Körper nichts unnötig oder überflüssig. Deshalb würde unser Organismus kein Billionen-Bakterien-Heer beschäftigen, wenn diese nur die Arbeit von ein paar Verdauungsenzymen übernehmen müssten. Bis vor wenigen Jahren konnte man den größten Teil der Keime noch gar nicht nachweisen und wusste deshalb nur wenig über ihre verborgene Welt. Der Grund: Die meisten Bewohner des Gedärms sind so genannte Anaerobier, das heißt Sauerstoff ist für sie tödlich. Mit Hilfe einer klassischen Darmfloraanalyse, also einem Anzüchten der Bakterien auf einem Nährboden im Labor, lassen sich die meisten Bakterien deshalb nicht nachweisen.

Doch neue Analyseverfahren, die so genannten Mikrobiomanalysen, ermöglichen seit kurzem tiefe Einblicke in die beeindruckende Lebenswelt der Darmkeime. Und plötzlich stellen wir fest: Der Einfluss der Bakterien reicht weit über den Darm und die Verdauung von Nahrung hinaus. Der Darm steuert uns und unsere Gesundheit in einer Weise, die noch vor wenigen Jahren unvorstellbar war. Und unserer Darmflora scheint mindestens die Bedeutung eines eigenen Organs zuzukommen, wenn nicht sogar die Funktion einer Steuerzentrale, ähnlich dem Gehirn. Wer etwas für seine Gesundheit und sein Wohlbefinden tun möchte, muss sich deshalb gut um die Mikroorganismen im Verdauungstrakt kümmern.

Mikrobiom Darm: Veränderung & Dein Lebenslange Begleiter

Mikrobiom, Darm, Veränderung – Wie Mikroorganismen sich im Laufe des Lebens verändern und Deine Darmgesundheit maßgeblich beeinflussen: Welche Keime sich im Darm, auf der Haut oder unseren Schleimhäuten tummeln, hängt von vielen Faktoren ab. Kleine Kinder kommen mit einem nahezu keimfreien Darm auf die Welt, nehmen aber bereits im Geburtskanal der Mutter wichtige Mikroorganismen auf, die dann umgehend beginnen, den Darm zu besiedeln. Bei Kaiserschnittentbindungen haben Keim, die sich auf der Haut der Eltern oder den Kitteln der Ärzte und Pfleger befinden, die Nase vorn, was für die Entwicklung einer gesunden Darmflora nicht immer von Vorteil ist. Die Darmflora beim Säugling ist mit rund 20 verschiedenen Bakterienstämmen noch recht einfach zusammengesetzt und anfällig für alle Arten von Störungen. Müssen in den ersten Lebensjahren häufiger Antibiotika eingenommen werden, schädigt das die Darmflora nachhaltig – wenn man sich anschließend nicht wieder um deren Aufbau kümmert. Vor allem die Vielfalt der Bakterienbesiedelung nimmt ab, manche wichtigen Keime lassen sich dann fast gar nicht mehr nachweisen, andere, Entzündungen fördernde, der Gesundheit wenig zuträgliche Bakterien machen sich breit. Kinder, die sehr früh die keimtötenden Medikamente erhielten, haben deshalb nachweislich ein deutlich höheres Risiko, an Allergien und Übergewicht zu erkranken. Auch bei Erwachsenen kennt man diese Zusammenhänge, doch bei Kindern sind die Effekte aufgrund der noch recht instabilen Verhältnisse im Verdauungstrakt gravierender.

Mit zwei, drei Jahren gleichen sich die Verhältnisse im Darm allmählich denen eines Erwachsenen an und mit mehreren hundert unterschiedlichen Keimen kommt nun auch endlich die so wichtige Vielfalt in den Darm. Eine gesunde Darmflora fördert schon in jungen Jahren die Gehirnentwicklung und beugt Allergien vor. Gesund ist eine Darmflora dann, wenn sie vielfältig und abwechslungsreich ist, wenn einzelne Keime nicht überhandnehmen und keine wichtigen Bakterienstämme unterrepräsentiert sind. Im Erwachsenenalter schützt eine solche vielfältige Darmbesiedelung vor Gewichtsproblemen und Zuckerkrankheit, lässt uns Stress besser ertragen, steigert das Wohlbefinden und verringert das Risiko für Depressionen und Darmprobleme.

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Infografik: Mikrobiom Darm – Welche Faktoren ein gesundes Mikrobiom und eine gesunde Darmflora unterstützen können

Im Alter verändert sich die Darmflora erneut. In Studien konnte man nachweisen, dass häufig die Zahl der wertvollen Bifidobakterien sinkt, sich dafür aber Keime ausbreiten, die potentiell gefährlich sind oder Entzündungen begünstigen wie Clostridien und Enterobakterien. Geht im Alter die bakterielle Vielfalt verloren, nehmen parallel dazu Gebrechlichkeit und Pflegebedürftigkeit zu. Baut man bei älteren Menschen jedoch die Darmflora gezielt auf, zum Beispiel anhand der Daten, die man mit Hilfe einer Mikrobiomanalyse gewinnt, dann stabilisiert oder verbessert sich auch deren Gesundheit.

Mehrere Studien weisen darauf hin, dass eine „junge“ Darmflora auch den Organismus langsamer altern lässt. Welche Bakterien im Darm das Sagen haben, lässt sich durch eine Mikrobiomanalyse sehr exakt bestimmen. Die richtigen Keime halten die Hormonspiegel auf einem höheren Level, bieten freien Radikalen und Entzündungen, die Alterungsvorgänge beschleunigen Paroli und schützen sogar die Haut vor Falten.

Und die Darmbakterien junger Artgenossen wirken wie Anti-Aging auf ältere. Das gilt zumindest für Fische. Setzt man ältere Fische in ein Aquarium, in dem zuvor junge Fische gelebt haben, nehmen die Senioren automatisch die Ausscheidungen und damit auch die Keime der Jugendlichen auf. Und das ist wie ein Bad in einem Jungbrunnen. Im Vergleich zu Fischen, die nicht mit den Darmkeimen der jungen Tiere konfrontiert wurden, waren sie agiler und gesünder und ihre Lebenserwartung stieg sogar um vierzig Prozent an.

Schon diese Beispiele zeigen, dass man die Bedeutung eines vielfältigen und ausgewogenen Mikrobioms in jedem Lebensalter gar nicht hoch genug einschätzen kann.

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Quellen & zum Weiterlesen

Axt-Gadermann M (2020) Gesund mit Darm. Südwest Verlag München

Bokulich NA, Chung J, Battaglia Th. et al (2016) Antibiotics, birth mode, and diet shape microbiome maturation during early life. Science Translational Medicine 8 (343):343ra82

Candela, M., Rampelli, S., Turroni, S. et al. (2012) Unbalance of intestinal microbiota in atopic children. BMC Microbiology 12:95 https://bmcmicrobiol.biomedcentral.com/articles/10.1186/1471-2180-12-95

Dominguez-Bello MG, De Jesus-Laboy KM, Shen N et al (2016) Partial restoration of the microbiota of cesarean-born infants via vaginal microbial transfer. Nat Med. 22(3):250-3. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26828196

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Smith P, Willemsen D, Popkes M et al. (2017) Regulation of life span by the gut microbiota in the short-lived African turquoise killifish. eLife 6: e27014 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5566455/

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