Hygiene in Zeiten von Corona

Hygiene in Zeiten von Corona - Eine kleine Handreichung zur Vorbeugung

In Zeiten, in denen die Welt eng vernetzt ist und wir innerhalb von Stunden fast jedes Land der Erde erreichen können, haben auch Krankheitserreger leichtes Spiel. Grippeepidemien oder auch die aktuelle Corona-Pandemie zeigen eindrucksvoll, wie sich Mikroorganismen innerhalb kürzester Zeit ausbreiten und welche Folgen ein Virus für eine Gesellschaft haben kann. Innerhalb kürzester Zeit leeren sich die Regale der Supermärkte durch Hamsterkäufe, Sportveranstaltungen und Gottesdienste werden abgesagt, Museen und Schulen bis auf unbestimmte Zeit geschlossen. Einen Film im Kino anschauen oder Essen gehen gilt plötzlich als Risikoverhalten. Der Semesterbeginn an Hochschulen wird verschoben und Europäer dürfen nicht mehr in die USA einreisen.

Eine solche Ausnahmesituation haben die meisten von uns bisher noch nicht erlebt. Und so etwas kann Angst machen. Ja, das Coronavirus breitet sich schnell aus und legt innerhalb kürzester Zeit weltweit die Börsen, Flughäfen oder ganze Länder lahm – mit nicht absehbaren Auswirkungen auf die meisten Zweige der Wirtschaft. Die Erkrankung hat sehr rasch eine ganz eigene Dynamik entwickelt. Wir sollten deshalb alle Anstrengungen unternehmen, um die Ausbreitung zu verlangsamen und Zeit zu gewinnen, um Kliniken zu entlasten, Medikamente oder Impfungen zu entwickeln. Jeder kann und sollte etwas zur Eindämmung der Pandemie beitragen.

In diesem Ratgeber finden Sie deshalb zahlreiche einfach umzusetzende Tipps und Infos, wie sich das Infektionsrisiko minimieren lässt, aber auch Möglichkeiten, die Abwehrkräfte zu stärken. Zur Panik besteht kein Grund, aber Umsicht ist geboten. Denn obwohl die aktuelle Corona-Erkrankung bei mindestens 80 Prozent der Infizierten einen milden und nur bei 4 bis 5 Prozent einen kritischen Verlauf nimmt, so schützen Sie mit entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen nicht nur Ihre eigene Gesundheit, sondern reduzieren auch das Ansteckungsrisiko besonders Gefährdeter. Dazu zählen alle Personen mit Vorerkrankungen wie Diabetes, einem schwachen Immunsystem oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ältere Menschen haben ebenfalls häufiger schwerere Verläufe und Männer und Raucher scheint es etwas härter zu treffen als Frauen.

Corona - ein paar Fakten, die Mut machen:

  • 81 % der Erkrankten haben nur einen milden Verlauf, manche merken noch nicht einmal, dass sie erkrankt sind.
  • 14 % der Fälle verlaufen moderat bis schwer, sind aber nicht lebensbedrohlich.
  • Kinder unter zehn Jahren erkranken nur selten und leicht und es gab bisher keine Todesfälle in dieser Gruppe – das zeigte eine Studie aus China, die Ende Februar 2019 ausgewertet wurde.
  • Mit einfachen Schutzmaßnahmen, die wir Ihnen hier vorstellen, lässt sich das Infektionsrisiko deutlich verringern.

Abstand bedeutet Schutz

Viren haben keine Flügel, sie können nicht selbstständig von Mensch zu Mensch fliegen. Bei der Verbreitung sind sie deshalb auf unsere Unachtsamkeit angewiesen. Über ganz banale Alltagsgegenstände, durch Händeschütteln und Umarmungen treten die Krankheitserreger, die Epidemien oder Pandemien auslösen können, ihren Siegeszug um die Welt an. Das Robert Koch-Institut (RKI), eine zentrale Einrichtung der Bundesregierung zur Erkennung, Verhütung und Bekämpfung von Krankheiten und somit auch für Corona & Co. zuständig, geht davon aus, dass das Risiko, sich durch engen Kontakt mit Corona zu infizieren, zwischen 7 und 10 Prozent beträgt. Deshalb ist Abstand zunächst der beste Schutz. Derzeit gilt es sicher nicht als unhöflich, sich nicht die Hände zu geben. Per Handschlag werden die Viren übertragen. Wer trotzdem auf einen körperlichen Kontakt bei der Begrüßung nicht verzichten möchte, kann den „Ebola-Gruß“ ausprobieren. Während der afrikanischen Ebola-Epidemie berührte man sich kurz mit dem Ellenbogen, anstatt ausgiebig Hände zu schütteln. Eine Alternative ist auch der „Wuhan-Shake“, bei dem man zur Begrüßung mit den Füßen aneinanderkickt. Oder man wählt den indischen „Namasté-Gruß“ oder die arabische Form, bei der die offene Hand auf das Herz gelegt wird.

St. Louis oder Philadelphia?

Diese Erkenntnis ist aber nicht neu, denn die Corona-Welle ist nicht die erste Pandemie, mit der wir uns auseinandersetzen müssen. Auch bei früheren weltweiten Krankheitsausbrüchen war es für die Gesundheit und das Überleben der Menschen wichtig, dass rechtzeitig die richtigen Maßnahmen ergriffen wurden. Dazu gehört es, engen Kontakt und größere Menschenansammlungen zu meiden. Was man dadurch erreichen kann, lässt sich aus der Ausbreitung der Spanischen Grippe 1918 in den USA ableiten. Diese verlief in Philadelphia ganz anders als in St. Louis. Denn obwohl schon erste Patienten in Philadelphia an der Spanischen Grippe erkrankt waren und Ärzte vor den Gefahren warnten, erlaubte der Bürgermeister Mitte September 1918 noch eine Parade, an der 200 000 Menschen teilnahmen.

Nur drei Tage später waren alle Betten der mehr als 30 Kliniken in der US-amerikanischen Stadt belegt. Anfang Oktober gab es mehr als 2500 Tote zu beklagen.

Anders lief es in St. Louis. Hier ergriff man schon direkt nach dem Bekanntwerden erster Grippe-Fälle wirkungsvolle Maßnahmen wie Schulschließungen und Verbote öffentlicher Veranstaltungen, um das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten. Mit Erfolg. In St. Louis infizierten sich deutlich weniger und es starben dadurch nur halb so viele Menschen wie in Philadelphia. Corona scheint nach neuesten Erkenntnissen weit ansteckender zu sein als Grippe. Ein Grippekranker infiziert im Schnitt zwischen 1,4 und 1,8 weitere Personen. Ein Corona-Patient überträgt das Virus jedoch auf zwei bis drei andere Personen, und so verdoppeln sich die Fälle etwa alle zwei bis vier Tage. Deshalb steigen die Zahlen der Corona-Kranken rasch an, wenn erst mal eine gewisse Personenzahl in einer Region erkrankt ist. Ob sich die Erkrankung hierzulande eher wie in St. Louis oder wie in Philadelphia ausbreitet, haben wir zu einem gewissen Teil selbst in der Hand.Abstand halten, soziale Kontakte reduzieren und so wenig Hän-de wie möglich zu schütteln, ist deshalb eine ganz wichtige Präventionsmaßnahme – egal, ob die Grippe umgeht, ein Magen-Darm-Virus die Runde macht oder sich eine Corona-Pandemie abzeichnet. Ältere Menschen, kranke und immungeschwächte Freunde und Verwandte schützt man am besten, wenn man eine Zeit lang persönliche Kontakte meidet und lieber zum Telefon greift.

Wissen Sie, wer die Türklinke vor Ihnen berührt hat?

Um eine Infektion auszulösen, müssen Keime von einer Person auf die andere gelangen. Das kann auf ganz unterschiedlichen Wegen passieren. Die klassischen Grippe-, Erkältungs- und Coronaviren verbreiten sich vor allem durch direkten Körperkontakt beim Küssen und Umarmen, durch Anhusten oder Niesen. Doch der größte Risikofaktor scheinen unsere Hände zu sein. Experten schätzen, dass 80 Prozent der Infektionen durch Händeschütteln und „High Five“ übertragen werden. Doch ein Infizierter kann über seine Hände praktisch alles kontaminieren, was er berührt. Türklinken, Treppengeländer oder Haltegriffe in der S-Bahn werden nach dem Kontakt mit „Virushänden“ zu Keimschleudern.

In einer Studie mit für den Menschen ungefährlichen Bakteriophagen, die sich aber ähnlich wie Viren verhalten, konnten Forscher nachweisen, wie sich ein Virus ausbreitet. Bakteriophagen, die auf einen Türgriff aufgetragen wurden, konnten beim Öffnen der Tür an 14 Personen weitergegeben werden. Diese infizierten dann insgesamt sechs weitere Personen beim Händeschütteln mit den Keimen. Viel berührte Oberflächen spielen deshalb eine wichtige Rolle bei der Übertragung von Krankheiten. Doch wie hoch ist das Risiko unter realen Bedingungen? Finnische Wissenschaftler nahmen an mehreren Orten Abstriche und konnten in 10 Prozent der Proben Viren nachweisen, die Atemwegsinfekte hervorrufen – unter anderem an Spielzeugen, den Handläufen von Treppen, auf der Tastatur von Kartenlesegeräten in Apotheken sowie bei jeder zweiten Probe, die vom Gepäckband im Sicherheitsbereich eines Flughafens genommen wurde. In 40 Prozent fand man Schnupfenviren, jede dritte Probe war positiv auf Coronaviren, jede zehnte enthielt Grippeviren.

Wie lange überleben Viren auf Oberflächen?

Viren zählen eigentlich nicht zu den Lebewesen, da sie keinen eigenen Stoffwechsel besitzen und sich nur innerhalb von Zellen vermehren können. Trotzdem können sie auch außerhalb des Körpers ansteckend bleiben. Wie lange sie infektiös sind, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die Art des Virus spielt eine Rolle, aber auch die Oberflächen. Auf Metall- oder Kunststoffoberflächen können Viren mehrere Tage infektiös bleiben. Hohe Luftfeuchtigkeit und Kälte scheinen sogar die Lebensbedingungen für Krankheitserreger weiter zu verbessern. Forscher vom Institut für Hygiene und Umweltmedizin in Greifswald vermuten, dass zum Beispiel Coronaviren zwischen vier und fünf Tagen außerhalb des Körpers überleben können, in Ausnahmefällen sogar bis zu neun Tage. Schnupfenviren waren in Hotelzimmern auf Lichtschaltern oder Fernbedienungen noch etwa einen Tag ansteckend. Und Schweizer Wissenschaftler konnten nachweisen, dass Grippeviren auf Banknoten mehr als zwei Wochen überleben können.

Welche Symptome sind typisch für eine Corona-Erkrankung und wie kann ich mich vor Ansteckung schützen?

Hier muss man leider sagen: keine! Die Symptome einer Corona-Infektion ähneln denen anderer Viruserkrankungen. Vor allem von der Grippe (Influenza) ist sie kaum zu unterscheiden. Im günstigsten Fall merkt man gar nichts vom Infekt, fühlt sich vielleicht ein paar Tage schlapp, und dann geht es wieder. Auch diese „stumme“ Infektion baut in den meisten Fällen einen wirksamen Schutz vor einer erneuten Ansteckung auf. Ob dieser lebenslang hält oder wir uns nach ein paar Jahren wieder anstecken können, ist derzeit nicht sicher. Treten Symptome auf, dann betreffen diese oft die Lunge mit Husten und Kurzatmigkeit. Hinzu kommen Fieber und Muskel- und Gelenkschmerzen. Übelkeit und Durchfall treten nur gelegentlich auf. Die Inkubationszeit, also die Dauer von der Ansteckung bis zum Auftreten der ersten Symptome, dauert im Durchschnitt fünf bis sechs Tage. Selten ist sie kürzer oder auch länger (maximal bis zu zwei Wochen). Wahrscheinlich ist ein Patient etwa 13 bis maximal 18 Tage nach Ausbruch der Infektion ansteckend. Ein Abstand von ein bis zwei Metern zu einem Infizierten ist deshalb sinnvoll. Ob ein einfacher Mundschutz wie ihn Chirurgen benutzen zum Infektionsschutz ausreicht, wird derzeit unterschiedlich diskutiert. Spezielle Masken mit Filtern sind im Alltag aber nicht notwendig.

Hände aus dem Gesicht

Viren, die von Gegenständen auf unsere Hände gelangen, können dort wahrscheinlich noch nicht so viel anrichten. Ihre Zieldestination sind die Schleimhäute von Mund, Nase und Rachen. Und da sind wir willige Transporteure. Der unbewusste Griff ins Gesicht macht es den Viren leicht, dorthin zu gelangen, wo sie sich ausbreiten können. Durchschnittlich alle vier bis fünf Minuten fassen wir uns ans Kinn, berühren mit den Händen das Gesicht oder reiben uns die Nase. Dieses automatische und reflexhafte Berühren geschieht meistens unbewusst und lässt sich deshalb nicht so leicht vermeiden. Ein erster Schritt ist es, sich dieses Verhalten bewusst zu machen und zu versuchen, in Zeiten mit erhöhtem Infektionsrisiko die Hand-Gesicht-Kontakte zu verringern.

"Hatschi“ mit weit-reichenden Folgen

Beim Husten strömt die Luft mit bis zu 450 Stundenkilometern aus unseren Lungen. Infektiöse Tröpfchen werden dadurch einige Meter in die Umgebung katapultiert. Beim Niesen ist die Beschleunigung der infektiösen Partikel noch stärker. Forscher des Massachusetts Institute of Technology (MIT) fanden jetzt heraus, dass die Tröpfchen und mit ihnen die Krankheitskeime bis zu zwölf Meter durch die Luft geschleudert werden. Theoretisch kann damit ein Nieser Krankheitserreger in einem ganzen Zimmer oder im gesamten Stadtbus verteilen. Deshalb ist es jetzt wichtig, sich an die Benimmregeln vom alten Knigge zu erinnern. Beim Husten oder Niesen hält man aber heutzutage nicht die Hand vor den Mund – damit wäre der Übertragung beim nächsten Händeschüttler Tür und Tor geöffnet, sondern nutzt besser die Ellenbeuge.

Eine Hand wäscht die andere - so lassen sich Keime sicher von den Händen entfernen

Die einfachste, fast überall verfügbare Methode, die Keimzahl an den Händen zu reduzieren, ist das gründliche Händewaschen. Wie man sich die Hände wäscht, lernt man eigentlich schon als Kind. Doch eine schnelle „Katzenwäsche“ ist in Zeiten eines erhöhten Infektionsrisikos bei Weitem nicht ausreichend. Die BZgA (Bundes-zentrale für gesundheitliche Auf-klärung) rät, die feuchten Hände mit ausreichend Waschlotion rundherum mindestens 20 bis 30 Sekunden gründlich einzuseifen und anschließend mit warmem Wasser abzuspülen. Wie lange sind 30 Sekunden? Länger, als man denkt. Im Internet kursieren einige Songs, mit denen man für Unterhaltung während des Waschens sorgen und gleichzeitig die Waschdauer kontrollieren kann. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt als Eselsbrücke, „Happy Birthday“ zweimal hintereinander zu singen. Das dauert ungefähr 20 Sekunden. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, singt dreimal. Ebenfalls 20 Sekunden dauert der Refrain des 1980er-Jahre-Klassikers „Take on Me“ der norwegischen Band a-ha. Der Refrain von „Stayin’ Alive“ von den Bee Gees ist offensichtlich eine Allzweckwaffe, wenn es um Gesundheit geht. Der Song gibt nämlich nicht nur das richtige Tempo für die Herz-Kreislauf-Reanimation vor, sondern der Refrain dauert 24 Sekunden und ist deshalb ebenfalls geeignet, die Dauer des Händewaschens zu kontrollieren.

Saubere Hände brauchen Zeit und Seife

Händewaschmuffel könnten sich möglicherweise von einem Instagram-Post überzeugen lassen. Dieser zeigt deutlich, warum Sie das übliche „bisschen Wasser über die Hände laufen lassen“ vergessen können. Für den Versuch wurden zunächst die Hände mit einer fluoreszierenden Creme eingerieben, die Mikroorganismen unter Schwarzlicht sichtbar macht. Der weiße Film auf dem ersten Foto zeigt, wie dicht die Haut mit Bakterien besiedelt ist.

Dies Fotos zeigen den Keimfilm vor dem Waschen (1),nach einer Katzenwäsche mit Wasser und anschließendem „Trockenschütteln“ der Hände (2), nach einer 6-sekündigen Handwäsche ohne Seife (3) sowie nach der Reinigung mit Seife für 6 (4), 15 (5) und 30 Sekunden (6). Die Bilder zeigen eindrucksvoll: Wer sich die Hände zum Infektionsschutz reinigt, muss auf zwei Dinge achten: Dauer und Seife.

Wie oft sollte man Hände waschen?

Hier gilt es, einen vernünftigen Mittelweg zu finden zwischen sauberen Händen und ausgetrockneten Händen. Wer sich zweimal stündlich die Hände wie vorgeschrieben 30 Sekunden lang wäscht, wird mit großer Wahrscheinlichkeit schon nach wenigen Tagen Probleme mit der Haut bekommen. Laut BZgA sollte man zum Beispiel immer, wenn man nach Hause kommt, die Hände waschen, aber auch vor dem Essen oder vor der Zubereitung von Speisen. Natürlich reicht einmaliges Händewaschen, wenn Sie nach Hause kommen. Wenn Sie anschließend kochen oder essen, ist das nicht noch mal erneut notwendig – das ist Ihnen wahrscheinlich klar, aber zum Wohle Ihrer Hände war es mir doch ein Anliegen, das noch mal zu betonen. Händewaschen so oft wie nötig, aber bitte nicht übertreiben.

Handpflege nicht vergessen

Je nachdem, wie lange Corona uns in Atem hält, kann die mehrmals tägliche gründliche Reinigung der Hände mit Seife vor allem für trockene und sensible Haut zu einer Strapaze werden. Wer unter trockener Haut leidet, sollte lieber öfters mit einem hautfreundlichen Desinfektionsmittel desinfizieren, denn das Risiko für Hautirritationen und Handekzeme ist bei häufigem Händewaschen deutlich höher. Durch Seife werden Hautfette ausgewaschen, die Fähigkeit der Haut, Feuchtigkeit zu binden, geht zurück und die Hautbarriere leidet.

Hier sind deshalb ein paar Pflegetipps für gereizte Hände. Am besten warten Sie aber nicht so lange, bis man Ihren Händen die Strapazen ansieht, sondern beginnen sofort mit einer intensivierten Hautpflege:

Verwenden Sie zum Händewaschen keine üblichen Handseifen, sondern besser ein Syndet oder eine Handwaschlotion mit einem leicht sauren pH-Wert von etwa 5,5. Das entspricht dem pH-Wert der Haut und unterstützt den Säureschutzmantel.

  • Bestimmte Kosmetikinhaltsstoffe sind in der Lage, den Wasser-verlust über die Haut in Grenzen zu halten beziehungsweise der Haut zusätzliche Feuchtigkeit zuzuführen. Wählen Sie deshalb eine Handcreme, die zusätzlich Feuchtigkeitsbinder wie Harnstoff, Glycerin, Milchsäure oder Hyaluronsäure enthält.
  • Gönnen Sie trockenen Händen ab und zu eine Folienpackung. Folie – ganz einfache Frischhaltefolie oder ungepuderte Vinylhandschuhe reichen aus – verhindert nämlich die Verdunstung von Wasser und sättigt dadurch eine trockene Hornschicht wunderbar mit Feuchtigkeit. Einfach Hände dick mit einer Pflegelotion eincremen und Handschuhe drüber.
  • Auch Pflanzenöle kann man zur Hautpflege verwenden, wobei Kokosöl und Jojobaöl besser geeignet sind, die Hautbarriere zu stabilisieren, als zum Beispiel Olivenöl.

Die richtige Händedesinfektion

Gründliches Händewaschen ist gut, Desinfektion ist besser. Denn selbst ein korrekt ausgeführtes Reinigungsritual ist der Händedesinfektion unterlegen. Wenn Sie ein Händedesinfektionsmittel zur Verfügung haben, sollten Sie dieses mehrmals täglich in der Erkältungszeit oder bei einer drohenden Infektionswelle verwenden. Hierzu sind ein paar Grundregeln wichtig:

  1. Die Hände sollten trocken sein. Wasser auf den Händen verdünnt das Desinfektionsmittel und verhindert eventuell auch den direkten Kontakt mit einigen Hautstellen. Dadurch kann die Wirksamkeit der Desinfektion eingeschränkt sein.
  2. Viel hilft viel: Alle Flächen der Hände – sowohl Handinnen- als auch Handaußenflächen –, jeder Finger und auch die Handgelenke sollten mit Desinfektionsmitteln angefeuchtet werden.
  3. Fingerzwischenräume und Nägel nicht vergessen: Sowohl beim Eincremen der Hände als auch beim Desinfizieren werden gerne die Bereiche zwischen den Fingern ausgelassen. Das zeigen Untersuchungen, bei denen man Versuchspersonen gebeten hat, sich die Hände einzucremen oder zu desinfizieren. Was diese Personen nicht wussten: Die ausgehändigten Mittel enthielten einen fluoreszierenden Farbstoff, der erst in einer Kabine mit Schwarzlicht sichtbar wurde. Dort zeigten sich dann die Lücken in der Anwendung. Deshalb bewusst auf diese Bereiche achten.
  4. Ausreichend lange einwirken lassen: Auf den meisten Produkten finden sich Angaben der Hersteller über die erforderliche Einwirkzeit. Diese sollten beachtet werden. Meistens beträgt sie rund 30 Sekunden.
  5. Nicht verdünnen! Während der Corona-Pandemie waren und sind Desinfektionsmittel zeitweilig nicht lieferbar. Das kann den einen oder anderen auf den Gedanken bringen, das Desinfektionsmittel mit Wasser zu strecken. Keine gute Idee! Dadurch wird die Wirksamkeit deutlich herabgesetzt. Besser: Häufiger Hände waschen und zwischendurch das konzentrierte Mittel sparsam verwenden.

Achtung, Seifenfehler!

Doppelt hält besser? Also erst gründlich die Hände mit Seife waschen und dann hinterher noch schön desinfizieren? Besser nicht! Denn Seifenreste an den Händen neutralisieren die Wirkung zahlreicher Desin-fektionsmittel. Dadurch kommt es zu einer deutlich geringeren oder sogar einem kompletten Verlust der Reinigungswirkung. Dieses Phänomen wird in der Medizin auch als „Seifenfehler“ bezeichnet. Also besser mehrmals am Tag die Hände gründlich waschen und die Seife anschließend gut abspülen. Desinfektionsmittel im Intervall ohne vorheriges Händewaschen anwenden. Abgesehen vom Wirkungsverlust trocknet zudem die doppelte Anwendung von schäumender Seife und alkoholhaltigem Desinfektionsmittel die Hände besonders sehr stark aus.

Kein Desinfektionsmittel zur Hand? Kein Problem!

Wenn kein handelsübliches Desinfektionsmittel zur Hand ist, lässt sich das auch selbst herstellen. Die wichtigste Zutat ist reiner Alkohol (Ethanol). Der Wodka von der letzten Party oder der Selbstgebrannte von Opa enthalten zu wenig Alkohol, um Keime wirksam abtöten zu können. Selbst in den meisten „hochprozentigen“ Spirituosen ist der Alkoholgehalt zu gering, um eine ausreichende Desinfektionswirkung zu erzielen.Doch zwei Zutaten – Ethanol und Glycerin – aus der Apotheke reichen aus, um die heimische Küche in ein Alchemistenlabor zu verwandeln. Hier ist das Rezept, das die WHO eigentlich für Länder der Dritten Welt als kostengünstige Alternative zu handelsüblichen Desinfektionsmitteln entwickelt hat.

WHO-Rezeptur Desinfektionsmittel:

  • 200 Milliliter abgekochtes, ausgekühltes Wasser
  • 800 Milliliter Alkohol (Ethanol)
  • Etwas Glycerin

Wie wird’s gemacht? Ganz einfach: Alle drei Zutaten zusammenschütten und gut umrühren. In verschließbaren Flaschen aufbewahren. Achtung: Vor Hitze und Feuer schützen! Ethanol ist hoch entzündlich. Glycerin ist zudem eine entbehrliche Zutat, die nicht der Desinfektion, sondern dem Hautschutz dient. Ethanol entfettet die Hände und Glycerin schützt dann ein bisschen vor dem zu starken Austrocknen. Wenn es aber nicht erhältlich ist, funktioniert die Mischung auch ohne Glycerin.

Was muss ich im Haushalt beachten?

Reicht die 30-Grad-Wäsche? Benötige ich antibakterielle oder antivirale Putzmittel? Muss ich meine Wohnung desinfizieren? Diese Fragen lassen sich nicht generell beantworten, sondern man muss den Einzelfall betrachten. Laut BZgA bringen im Haushalt desinfizierende Reinigungsmittel oder Putztücher aus dem Supermarkt keinen Vorteil. Darauf können Sie also getrost verzichten. Die üblichen Putzmittel reichen aus. Wenn Sie nicht mit bereits Infizierten zusammenleben, dann müssen Sie auch Ihre Wohnung nicht desinfizieren. Reißen Sie regelmäßig die Fenster auf und sorgen Sie für Luftaustausch. Durch Corona wird unser Bewegungsradius eingeschränkt und durch Schulausfall und Homeoffice halten wir uns länger in den eigenen vier Wänden auf. Doch die Luft in beheizten Räumen enthält wenig Feuchtigkeit. Dadurch trocknen die Schleimhäute aus und Viren haben leichtes Spiel. Deshalb öfters mal stoßlüften und regelmäßig im Freien bewegen.

Ist einer aus der Familie aber an Corona, Grippe & Co. erkrankt, dann kann es sinnvoll sein, Türklinken, Fernbedienungen und Lichtschalter regelmäßig mit einem Desinfektionsmittel abzuwischen. Denn wie Sie ja wissen, halten sich viele Krankheitserreger recht hartnäckig auf glatten Oberflächen. Putzlappen, Bettwäsche und Handtücher sollten am besten mit mindestens 60 Grad gereinigt werden. Über eine lauwarme 40-Grad-Wäsche lachen die meisten Viren. Herpesviren überleben diese beispielsweise problemlos. Das Gleiche gilt wahrscheinlich auch fürs Geschirr. Wenn ein Infizierter aus einer Tasse getrunken oder ein Besteck benutzt hat, tötet die Reinigung in der Spülmaschine die Keime sicher ab. Bei Geschirr, das lauwarm per Hand gereinigt wurde, ist das nicht sicher. Allerdings gibt es derzeit dazu noch keine definitiven Aussagen.

Es ist mir ein Anliegen

... Sie an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass in Epidemie- und Pandemiezeiten die Verwendung von Desinfektionsmitteln und häufiges Händewaschen sinnvoll erscheinen. In unserem üblichen Alltag, außerhalb solcher Ausnahmesituationen, sollten Sie es aber mit der Hygiene nicht übertreiben. Auch die Hände dürfen Sie dann wieder etwas weniger gründlich waschen. Denn all diese desinfizierenden Maßnahmen beseitigen nicht nur Krankheitserreger wirkungsvoll, sondern schädigen leider auch die Bakterienflora der Haut. Diese ist enorm wichtig, um uns vor Hauterkrankungen zu schützen und unsere äußere Hülle gesund zu halten. Zu viel Hygiene schwächt zudem auch die enorm wichtige Darm-flora, immunstärkende Bakterienimpulse fehlen dann. Dadurch steigt unter anderem das Risiko für Allergien, Autoimmunerkrankungen und Neurodermitis. Im Moment müssen wir diese Schädigung der Bakterienflora in Kauf nehmen. Wenn die Zeiten wieder etwas ruhiger werden, ist es aber sinnvoll, sich nicht nur mit den krank machenden Mikroorganismen zu beschäftigen, sondern vor allem gesundheits-fördernde Keime zu fördern. Unter Normalbedingungen müssen wir uns auch vor den üblichen Umweltkeimen nicht fürchten. Sie sind nicht nur harmlos, sondern sogar nützlich und sorgen dafür, dass wir eine reichhaltige, gesunde Darm- und Hautflora entwickeln. Normalerweise muss man also keine Panik vor den Haltegriffen in Bus und Bahn haben. Die meisten der dort nachgewiesenen Mikroorganismen sind unschädliche Hautkeime. In Zeiten mit erhöhtem Krankenstand und größerem Infektionsrisiko ist es aber kein Fehler, sich nach der Fahrt mit der S-Bahn die Hände zu waschen.

Können Medikamente den Verlauf einer Corona-Infektion beeinflussen?

Abgesicherte Informationen gibt es dazu zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht. Möglicherweise können aber Medikamente, die auch bei anderen Virusinfektionen bereits eingesetzt wurden und die relativ wenige Nebenwirkungen haben, den Verlauf der Corona-Infektion günstig beeinflussen. Getestet werden derzeit Medikamente, die man auch bei Ebola und HIV eingesetzt hat. Ergebnisse liegen aber noch nicht vor. Auch bis zur Entwicklung einer Impfung werden noch einige Monate oder ein Jahr vergehen.

Derzeit wird aber auch diskutiert, ob bestimmte Medikamente einen schwereren Verlauf der Er-krankung begünstigen könnten. Diskutiert wird das vor allem für Blutdrucksenker aus der Gruppe der ACE-Hemmer, für das Fieber- und Schmerzmittel Ibuprofen sowie für ein Mittel gegen Diabetes. Bei ACE-Hemmern handelt es sich um eine Gruppe von häufig verordneten blutdrucksenkenden Medi-kamenten. Da erhöhter Blutdruck eine Erkrankung ist, die im höheren Alter regelmäßig diagnostiziert wird, findet man mit zunehmendem Alter auch immer mehr Nutzer dieses Medikaments. Bluthoch-druck tritt oft zusammen mit anderen Krankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Übergewicht auf. Es gibt viele Hypothesen, warum Menschen mit diesen Vorerkrankungen häufig so schwere Krankheitsverläufe haben. Jetzt kommt der Verdacht auf, dass die Einnahme von blutdrucksenkenden ACE-Hemmern, die in dieser Patientengruppe bevorzugt verordnet wird, hierfür verantwortlich sein könnte.

Die Zusammenhänge erklärt man sich so: Coronaviren nutzen das Enzym ACE2 (Angiotensin Converting Enzyme 2) in der Zellwand als Andockstelle (Rezeptor), um sich Zugang zum Zellinneren zu verschaffen. Nur dort können sie sich vermehren. Je mehr dieser Rezeptoren an Zellen vorhanden sind, desto einfacher und schnel-ler breiten sich die Viren aus. ACE-Hemmer binden nur das Angiotensin Converting Enzyme (ACE), um ihre blutdrucksenkende Wirkung zu entfalten. Sie blockie-ren jedoch NICHT den ACE2-Rezeptor. Die Zellen sind aber nicht doof und bilden, sobald das Enzym ACE durch das Medikament blockiert wurde, umso mehr ACE2 Rezeptoren, um so die ACE-Hemmung zu kompensieren. Zudem schützen sich die Zellen dadurch vor potentiell schädlichen Wirkungen des Blutdrucksenkers. Das ist ein Vorgang, den man auch von anderen Wirkstoffen kennt und der die Wirksamkeit der Blutdrucksenkung nicht beeinflusst. Allerdings macht es die Vielzahl an neu gebildeten Rezeptoren den Krankheitserregern leichter, in die Zelle einzudringen. Das ist so, als würde man in einer mittelalterlichen Stadt alle Türen und Tore öffnen, wenn der Feind heranstürmt – dass dadurch der angerichtete Schaden viel größer wird, ist verständlich.

Und diese Zusammenhänge erklären auch logisch, warum Kinder scheinbar immun gegen Corona-Infektionen sind. Kinder bekommen in der Regel keine ACE-Hemmer. Weniger als die Hälfte der infizierten Kinder entwickelt Fieber, fast alle bisher Erkrankten hatten nur ein bisschen Schnupfen und Hus-ten. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für schwere Verläufe der Corona-Infektion. So ab 50, 60 Jahren scheinen Betroffene diese Erkrankung nicht mehr so gut weg-zustecken. Das fällt zusammen mit einer zunehmend häufigeren Nutzung blutdrucksenkender ACE-Hemmer in dieser Altersgruppe. In Italien scheinen ACE-Hemmer zudem besonders häufig eingesetzt zu werden, was möglicherweise auch die dort besonders hohen Todesraten erklären könnte.Das ist zunächst zwar nur eine Theorie, eine unbestätigte Hypothese, die aber durchaus einleuchtend ist.

Möglicherweise zählt auch das Schmerzmittel Ibuprofen zu den Medikamenten, die zu schwerern Krankheitsverläufen führen könnten. Ibuprofen zählt zwar nicht zu den ACE-Hemmern. Wissenschaftler diskutieren aber, ob Zellen nicht auch unter Ibuprofen mehr ACE2 Rezeptoren bilden und damit Eintrittspforten für das Virus schaffen. Was ist zu tun? Ob an diesen Zusammenhängen etwas dran ist, ist derzeit wissenschaftlich noch nicht vollständig belegt. Wenn Sie oder Ihre Angehörigen derzeit ACE-Hemmer nehmen, dann besteht also zunächst mal kein Grund zur Panik. Dennoch ist zu überlegen, ob man nicht auf einen Blutdrucksenker aus einer anderen Klasse (z. B. Calciumantagonisten oder Sartane) zurückgreifen sollte.

Wichtig: Eine bestehende blutdrucksenkende Medikation mit einem ACE-Hemmer auf gar keinen Fall selbstständig absetzen. Das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall steigt dadurch stark an. Fragen Sie Ihren Arzt, ob er Sie auf ein anderes Medikament zur Blutdrucksenkung einstellen kann. Wer aber ein fiebersenkendes Medikament benötigt, kann in die-sem Fall einfach auf Paracetamol umsteigen und erst mal um Ibuprofen einen Bogen machen. Auch Acetylsalicylsäure (Aspirin) sollte man aktuell bei Infekten meiden, da der Wirkstoff eine blutverdünnende Wirkung hat.

Infektionsfakten

  • Coronaviren werden durch eine Tröpfcheninfektion weitergegeben. Die Viren befinden sich auch in der Ausatemluft Infizierter. Durch Husten und Niesen werden die Krankheitserreger einige Meter weit geschleudert.
  • Auf Türklinken, Haltegriffen oder EC-Terminals überleben Viren einige Tage bis mehrere Wochen. Eine Infektion über Gegenstände ist möglich, aber nicht ganz so häufig wie die direkte Ansteckung von Mensch zu Mensch.
  • 80 Prozent aller Infektionskrankheiten werden durch die Hände übertragen.
  • Wir fassen uns etwa alle vier bis fünf Minuten ins Gesicht.
  • Besonders gefährdet sind Menschen ab 50, Personen, die an Herzerkrankungen, Lungenerkrankungen (COPD, Bronchitis), Diabetes oder Krebs leiden, und Patienten, die durch Krankheiten oder Medikamente abwehrgeschwächt sind.

Abwehrkräfte stärken

Warum schnappen manche Menschen jeden Infekt auf, während andere vor Ansteckung weitgehend gefeit erscheinen? Die Stärke einer Infektion hängt von der Infektiosität, also der Ansteckungskraft des Erregers und der Widerstandskraft, also der Abwehrstärke des Wirtes ab. Wirt ist in der Fachsprache die schöne Umschreibung für denjenigen, den es erwischt hat und der nun erst mal für eine gewisse Zeit die Krankheitskeime beherbergt. An der Ansteckungsfähigkeit des Virus können wir nichts ändern. Wir können aber den Verlauf der Krankheit günstig beeinflussen, wenn unsere Abwehrkräfte stark sind. Das erklärt auch, weshalb manche Grippe- oder Corona-Kranke sich nur etwas angeschlagen fühlen, andere aber mit hohem Fieber, Lungenentzündungen und potenziell lebensbedrohlichen Krankheitsverläufen zu kämpfen haben. Abwehrzellen benötigen für ihre Arbeit enorm viele Nährstoffe. Deshalb steht gerade in Zeiten mit erhöhter Infektionsgefahr eine ausgewogene Ernährung im Fokus der Immungesundheit. Wenn der Bedarf bei Stress, Leistungssport oder im Alter noch zusätzlich ansteigt, muss man manchmal auch mit Nahrungsergänzungsmitteln nachhelfen, um Lücken zu schließen. Hier ein paar durch wissen-schaftliche Studien belegte Tipps, wie Sie den Abwehrkräften auf die Beine helfen können:

• Abwehrzellen brauchen Nährstoffe, um zu funktionieren. Es mag banal klingen und ist jedem bekannt, aber man kann es nicht oft genug sagen: Eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung mit viel frischem Gemüse und Obst, mit ballaststoffreichen Vollkornprodukten und gesunden Fetten stärkt unser Immunsystem und ist besonders in der aktuellen Situation ein Rat, den man beherzigen sollte. Als besonders gut für die Abwehrkräfte gelten Brokkoli, dunkle Beeren, Kohlgemüse, Knoblauch, Zitrusfrüchte, Nüsse (z. B. Paranüsse für eine ausreichende Selenversorgung, Walnüsse für eine Extraportion Omega-3-Fettsäuren), Karotten und Tomaten.

• Achten Sie auf eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung. Vitamin D ist unerlässlich für aktive Abwehrkräfte. Man schätzt, dass 900 Gene durch Vitamin D reguliert werden. Immunzellen, die für die Virusabwehr notwendig sind, verlieren bei Vitamin-D-Mangel ihre Schlagkraft. In einer japanischen Studie erhielten Schulkinder von Dezember bis März ein Vitamin-D-Präparat (1200 Einheiten pro Tag) oder ein unwirksames Placebo. In der Gruppe, die Vitamin D erhielt, erkrankten rund zehn Prozent der Kinder an Influenza. In der Placebogruppe bekamen fast doppelt so viele Kinder die Grippe. Vitamin D kann in den Sommermonaten in der Haut gebildet werden, wenn wir uns täglich etwa 20 Minuten mit unbedecktem Gesicht, Hals und Armen im Freien aufhalten. Wichtig: Lichtschutzfaktor verlängert die notwendige Aufenthaltsdauer. Bei einem Lichtschutzfaktor 10 müssten Sie also 200 Minuten draußen bleiben. In den Wintermonaten, in denen wir traditionell von Virusinfekten heimgesucht werden, reicht das Sonnenlicht nicht aus. Unsere Abwehrkräfte sind dann darauf angewiesen, dass wir uns Vitamin-D-reich ernähren. Das geht mit viel fettem Fisch, Eiern und Avocado. Doch in den meisten Fällen reichen Lebensmittel für eine umfassende Versorgung nicht aus. Am besten, Sie lassen bei Ihrem Hausarzt mal den Vitamin-D-Spiegel testen. Ist der niedrig, dann sollten Sie es mit der Vitamin-D-Supplementation halten wie mit den Winterreifen, die man von O bis O aufziehen soll. Nehmen Sie von Oktober bis Ostern ein Vitamin-D-Präparat ein. Meistens sind 1000 Einheiten pro Tag ausreichend. Sprechen Sie die Einnahme mit Ihrem Arzt ab.

• Vermeiden Sie einen Zinkmangel. Zink ist ein wichtiges Spurenelement, dass von mindestens 50 Enzymen unseres Körpers, auch solchen, die Abwehrreaktionen steuern, benötigt wird. Nehmen wir nicht täglich mindestens 7 bzw. 10 Milligramm Zink zu uns, dann steigt die Infektanfälligkeit messbar. Eine gute Zinkversorgung bringt hingegen die Immunzellen auf Trab. Studien belegen, dass eine vorübergehende Einnahme von Zinkpräparaten eine vorbeugende Wirkung gegen Infektionen der Atemwege hat. Aber auch die Krankheitsdauer scheint sich zu verkürzen. Patienten, die mit Erkrankungen der Atemwege in ein Krankenhaus eingeliefert wurden, erhielten im Rahmen einer Studie entweder ein Zinkpräparat (30 Milligramm täglich) oder ein Placebo. In der Zinkgruppe klang die Erkrankung schneller ab und die Patienten konnten auch einige Tage früher aus der Klinik entlassen werden.

• Setzen Sie im Kampf gegen Viren auf probiotische Bakterien. Probiotische Bakterien können unsere Abwehrkräfte sehr wirkungsvoll pushen. Enthalten sind sie zum Beispiel in Joghurt, Kefir, Sauerkraut oder auch in Nahrungsergänzungsmitteln. Studien haben gezeigt, dass Probiotika aus Nahrungsergänzungsmitteln die Infektionshäufigkeit bei ganz unterschiedlichen, besonders infektanfälligen Personengruppen wie Senioren, kleinen Kindern, gestressten Berufstätigen und ausgepowerten Leistungssportlern reduzieren können. Nach Einnahme von Probiotika sank nicht nur die Anzahl der Infekte, sondern auch die Krankheitsdauer. Das Headquarter unserer Abwehrkräfte sitzt nämlich im Darm. 70 bis 80 Prozent aller Immunzellen befinden sich dort, und diese werden durch probiotische Bakterien aktiviert. Probiotika sind sogar in der Lage, die Immunantwort bei einer Impfung zu verbessern und so deren Wirksamkeit zu steigern und den langfristigen Schutz zu erhöhen. Und dadurch werden Impfungen sogar verträglicher. Impfreaktionen und Nebenwirkungen waren in der Probioti-kagruppe geringer als in der Placebogruppe.

• Stämme, die in Studien besonders wirkungsvoll zu einer Steigerung der Abwehrkräfte, Aktivierung von Immunzellen und Verbesserung von Impferfolgen geführt haben, waren unter anderem L. plantarum, L. rhamnosus, L. casei, L. gasseri, B. bifidium, B. breve, B. lactis, Streptococcus thermophilus. Mehr dazu auf www.gesund-mit-darm.de.

• Raus ins Freie und bewegen. Wandern, Joggen, Radfahren, Schwimmen – die klassischen Ausdauersportarten trainieren nicht nur die Muskeln, sondern stärken auch die Abwehrkräfte. Wichtig: nicht überanstrengen, sonst schlägt die Wirkung ins Gegenteil um. Optimal ist es, wenn Sie in einem Park oder Wald Sport treiben. Studien haben gezeigt, dass die Kombination aus einer grünen Umgebung und Stoffen, die von Pflanzen, vor allem Bäumen, abgegeben werden, sogenannte Terpene, die Abwehrkräfte nachhaltig stärken und Zellen aktivieren, die Viren wirksam bekämpfen können. Japaner bezeichnen diese Art der Gesundheitsförderung als „Waldbaden“.

• Viel trinken. Trockene Schleimhäute machen anfälliger für Infekte, da Krankheitserreger nicht abtransportiert werden können. Neben Wasser lässt sich die Flüssigkeitsversorgung auch sicherstellen durch verdünnte Fruchtsäfte. Vor allem dunkle Säfte (Johannisbeer-, Kirsch-, Holundersaft) liefern viele Pflanzenstoffe, die der Abwehr guttun. Super ist auch grüner Tee. Zahlreiche Studien haben dessen fantastische Wirkung auf die Abwehrkräfte nachgewiesen.

• Ausreichend schlafen und Stress reduzieren. Schlafmangel macht krank – das ist wissenschaftlich vielfach bewiesen. Mehrere Studien zeigen, dass sich die Zahl der Immunzellen drastisch reduziert, wenn der Nachtschlaf zu kurz ist. Im Schnitt braucht der Körper sieben bis acht Stunden Schlaf, um sich zu regenerieren und die Abwehrkräfte zu mobilisieren. Auch Stress ist Gift für die Virusabwehr. Sowohl kurzfristiger sehr starker Stress als auch Dauerstress öffnen Infekten Tür und Tor.

 

Von Frau Prof. Dr. Axt-Gadermann, Bestseller-Autorin und Teil unseres wissenschaftlichen Beirats

 

Quellen & zum Weiterlesen

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